Rostock im Gespräch

Rostock erwacht langsam wieder aus einem tiefen Schlaf - so fühlt es sich zumindest an. Nicht nur Restaurants, Bars und Geschäfte hatten geschlossen, sondern auch die Universität. Nun heißt es, den  Spagat zwischen Uni/Arbeit und Alltag zu schaffen! Wir haben zwei Studenten der Uni Rostock zu der aktuellen Situation befragt und ob es durch den digitalen Ersatz wirklich besser ist, sich nicht mehr in den überfüllten Hörsaal durchkämpfen zu müssen. Falls euch die Decke gefühlt auf den Kopf fällt, haben die beiden Studenten ein paar coole Tipps für euch, wie ihr eure Vorlesungspausen versüßen könnt.
 

Ole Helms

Studiert Deutsch und Geschichte auf Lehramt

SZENE: In den letzten Monaten hat sich das Leben vieler durch die Epidemie praktisch umgekrempelt und ist zur Belastungsprobe geworden. Wie geht es dir in der aktuellen Situation und wie gehst du mit diesem Thema um?



Ole: Als ich Mitte März mit drei Freunden von unserem Teneriffaurlaub wiederkam, konnte ich gar nicht glauben, wie sehr sich die Lage in Deutschland verändert hatte. Auf der Insel konnten wir die Seele baumeln lassen und haben (unter anderem aufgrund der geringen Spanischkenntnisse) so gut wie nichts von der Krise auf dem europäischen Festland mitbekommen. Als wir in Berlin landeten, wurden wir jedoch in die Realität zurückgeholt. Viele Menschen trugen Atemschutzmasken und die Flughafenpolizei zog einige Fluggäste zur näheren Befragung beiseite. Die Straßen waren leer. Wir fühlten uns, als wären wir geradewegs in eine Apokalypse à la „The Walking Dead“ hineingeraten. Von Bekannten erhielten wir die ersten Fotos und Berichte, wie drastisch die Situation sich in Rostock gestalte. Viele Läden wären regelrecht „leergehamstert“ worden und die Menschen gingen sich bereits aus dem Weg, um das Infektionsrisiko möglichst einzudämmen. Die veränderte Situation führte jedoch bei vielen dazu, dass sie sich enorm unfreundlich verhielten und man sich sogar gegenseitig misstraute, da niemand wusste, wer bereits vom Virus befallen war. 



SZENE: Viele sind mit ihren Familien näher zusammengerückt und verbringen nun mehr Zeit gemeinsam. Betrifft dich das auch?

Ich selbst hatte ca. eine Woche nach dem Urlaub vom einem auf den anderen Tag Atemwegsbeschwerden und trockenen Husten bekommen und wurde von meiner Hausärztin sogleich an das Coronatestzentrum in der Uniklinik überwiesen. Der dortige Test ergab (nach einer Nacht des Bangens) glücklicherweise ein negatives Ergebnis und ich konnte mit gewöhnlichen Erkältungsmedikamenten behandelt werden. Natürlich machte sich meine Familie große Sorgen und mein Vater entschied kurzer Hand, dass es das beste wäre, wenn ich für einige Zeit bei ihnen wohnen würde, um in Falle eines weiteren Notfalls schneller reagieren zu können. Nun wohne ich seit ca. vier Wochen mit im Haus meiner Eltern und Schwester und wir verfolgen die sich kontinuierlich auf und ab bewegende Situation in unserem Land und dem Rest der Welt aufmerksam mit. Mir persönlich tut die Teilnahme am Familienleben überaus gut. Ich kann mir vorstellen, wie schwer es momentan für manche Menschen oder ganze Familien sein muss, die nicht die Möglichkeit haben, im Garten hinterm Haus sitzen zu können, sondern in Hochhäusern und Mietwohnungen eingepfercht sind und nur über das Telefon und andere digitale Medien mit ihren Angehörigen und Bekannten den Kontakt halten können. 


SZENE: Hat sich im Berufsleben und Alltag deiner Eltern durch die Coronakrise viel geändert? 



Da meine Eltern beide in Firmen tätig sind und als Außendienstkräfte (zumindest normalerweise) oft durchs Land reisen und Kundengespräche führen müssen, hat sich auch bei ihrem Arbeitsalltag enorm viel verändert. Derzeit dürfen sie wie viele andere Menschen ausschließlich von zu Hause aus arbeiten. Zwar funktioniert dies in unserer heutigen Gesellschaft und den vielen Möglichkeiten, die uns vom Internet geboten werden, bei meiner Familie ziemlich reibungslos, aber viel drastischer gestaltet sich die Lage bei Familien, in den es Kinder im Schulalter gibt. Hier lässt sich nicht ohne weiteres die Tür zum Arbeitszimmer schließen und in Ruhe arbeiten. Die Eltern werden auf eine enorme Belastungsprobe gestellt, weil sie ihre Kinder Rund um die Uhr betreuen müssen und tagsüber nicht in die Schulen oder Kitas geben können. Der gesamte Tagesablauf hat sich in Folge dessen bei einigen komplett gewandelt. Die Kinder müssen plötzlich wieder im häuslichen Umfeld beschult und erzogen werden, man könnte meinen, man hätte eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit unternommen.

SZENE: Die Universität blieb von dem Chaos leider auch nicht verschont und musste länger geschlossen bleiben. Als Student hattest du alles am eigenen Leib erfahren können. Wie schwer war die Situation für dich?

Für uns Studierende hat sich wegen der Schließung der Universitäten auch einiges verändert. Mussten vor der Krise viele früh morgens noch bei Zeiten aufstehen und sich z.B. nach einer durchzechten Partynacht im Halbschlaf zu den jeweiligen Vorlesungen schleppen, reicht es nun aus, zehn Minuten vor Seminarbeginn aufzustehen und den Laptop anzuwerfen, um an den Onlineseminaren teilzunehmen. Auf der anderen Seite ist es sowohl für manche Studierende, aber vor allem die Dozenten, zum Teil schwierig, plötzlich nur mit Facecam und Mikrofon arbeiten zu können, ihre Vorträge und Diskussionen via Livestream halten und komplett auf jegliche Form der Präsenzlehre verzichten zu müssen, weil die Universitätseinrichtungen geschlossen haben. Und obwohl der Semesterstart an der Uni Rostock sich durch diese Ausnahmesituation um fast einen Monat verschoben hat, konnte eigentlich niemand von den verlängerten „Semesterferien“ profitieren, da  u.a. Urlaubsreisen seit Ende April nicht mehr möglich sind. 


SZENE: Die Onlinekurse an der Universität scheinen noch ein wenig gewöhnungsbedürftig zu sein.  Glaubst du, die Digitalisierung ist in solchen Momenten ein Vorteil?

Zum Thema Freizeitbeschäftigungen kann ich sagen, dass sich zumindest bei mir nicht viel zum Schlechten verändert hat. Ok, die Verabredungen mit meinen Freunden haben sich dahingehend verändert, dass wir uns nun auf Plattformen wie Skype oder Discord „treffen“, aber auch hier lassen sich sehr gut Telefonkonferenzen mit mehreren Personen gleichzeitig führen. Auf Lange Sicht betrachtet ist dies für mich zwar keine Option – ich möchte meine Freunde auch gerne mal in den Arm nehmen oder richtige Ausflüge unternehmen – trotzdem hätte ich mir keinen besseren Augenblick für eine solche Krise vorstellen können, da die Welt durch das Internet weiterhin oder gerade durch diesen Ausnahmezustand sehr gut verknüpft bleibt und man sich zumindest im 2D-Format auf den Bildschirmen sehen und hören kann. Des Weiteren fahre ich momentan noch viel mehr Fahrrad, als ich es vor der Krise ohnehin schon getan habe. Ich brauche einfach den sportlichen Ausgleich und kann, obwohl ich auch sehr gerne gelegentlich mit Freunden online Videospiele zocke, nicht 24/7 drinnen sitzen. Bin ich zu Hause, dann lese ich sehr viel (Derzeit verschlinge ich den Roman Imperium von Robert Harris – ein Muss für alle Geschichtsinteressenten), höre sehr viel Musik und Hörbücher, spiele Klavier, aber vor allem hole ich all die Netflix- und AmazonPrime-Serien und Filme nach, welche ich in den letzten Monaten noch nicht ansehen konnte.

SZENE: Wie sieht dein Tagesrhythmus zur Zeit aus? Wie organisierst du dich?

Was meinen Tagesrhythmus angeht, so profitiere ich sehr vom derzeitigen Familienleben. Eigentlich wohne ich wie viele andere Studierende auch alleine und musste mich in den letzten Semestern komplett selbst organisieren. Nun kann u.a. ich wie früher gemeinsam mit meinem Vater im Garten Volleyball spielen, muss nicht mehr alleine einkaufen gehen oder kann mit der Familie gemeinsam leckere Gerichte kochen und mich kugelrund essen.



SZENE: Leider sind wahnsinnig viele Veranstaltungen verschoben oder abgesagt worden. Auf welche hättest du dich besonders gefreut und kannst du sie eventuell nachholen?

Leider mussten wir in den letzten Wochen neben abgesagten oder verschobenen Urlaubsreisen mitansehen, wie vor allem Konzert- und andere Veranstaltungstermine auf Eis gelegt wurden. Im Sommer wollte ich eigentlich mit meinem Vater zu einem Livekonzert seiner Lieblingssängerin Dido fahren, hieraus wird jetzt allerdings erst einmal nichts. Auch Kino- und Theaterbesuche sind nicht mehr möglich und man kann sich nicht wie gewohnt in Kneipen Bars und Biergärten mit Freunden verabreden. Ich denke, dass in vielen Restaurants drinnen wie draußen zumindest in eingeschränktem Maße der Betrieb wiederaufgenommen werden kann, ohne, dass die Gäste einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. 



SZENE: Man konnte die letzten Wochen schon fast als „Stillstand“ bezeichnen. Wie stehst du zu dieser drastischen Wandlung?


Ein kompletter Stillstand der Wirtschaft und Freizeit- bzw. Tourismusbranche war von vorn herein ein Fehler. Viele Kleingewerbe beklagen nun seit einigen Wochen enorme finanzielle Verluste und manche Firmen werden wahrscheinlich nicht nur mit einem blauen Auge aus dieser Krise herauskommen, sondern müssen komplett schließen. Zwar appelliert unsere Regierung immer wieder an den Zusammenhalt und das kameradschaftliche Miteinander, leider befürchte ich, dass nach dem Ausgang der Krise das freundschaftliche und entgegenkommende Verhalten der Menschen schnell wieder abflauen wird und viele sich selbst wieder am nächsten sein werden. Vermutlich lässt sich dieses an Egoismus grenzende Einstellung in einer vom Kapitalismus geprägten Gesellschaft wie Deutschland sowieso nur teilweise vermeiden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln und man kann bloß hoffen, dass sich die durch die Krise verursachten Schäden und Ungerechtigkeiten auf der Welt so gut es geht behoben werden können. 



SZENE:Danke für das Interview!



 

Sophia Antonia Krause

Studiert Evangelische Religion und Deutsch auf Lehramt

 

SZENE: Nicht nur der Tagesrhythmus ist von der Epidemie betroffen, sondern das ganze Miteinander. Wie geht es dir in der momentanen Lage? 


Viele Menschen wissen weder ein noch aus. Sie verlieren ihre Arbeit, oder müssen zu Hause bleiben, weil Kindergärten und Schulen geschlossen haben und es niemanden gibt, der sich um die Kleinen kümmern kann. Die Ärmsten unter uns haben kaum noch Möglichkeiten, an genügend Essen zu gelangen, da viele soziale Anlaufstellen schließen mussten. Zumindest gibt es mittlerweile Gabenzäune, die unsere Mitmenschen mit Essen, Trinken, Hygieneartikeln und Kleidung versorgen. Und wie einsam fühlen sich wahrscheinlich die Kranken und Alten, die von ihren Familien nicht mehr besucht werden können. Ich kann von Glück reden, dass es mir verhältnismäßig gut geht! Ich bin gesund, habe ein Dach über dem Kopf, genug Essen und die Möglichkeit, über die sozialen Plattformen mit Freunden oder Familie zu kommunizieren.

SZENE: Du hältst dich also wacker! Vieles ist gerade sozusagen im Wandel. Hast du viel davon zu spüren bekommen?

Teilweise. Anfangs hatte die Epidemie keine großen Auswirkungen auf meinen Alltag. Als alles begann hatte ich Semesterferien, musste Hausarbeiten schreiben und hätte demnach sowieso kaum mein Zimmer verlassen. Jetzt, da das Semester wieder begonnen hat, hat sich jedoch einiges geändert. Die Kurse finden online statt, meist über Video- oder Audiokonferenzen, und der Arbeitsaufwand ist größer geworden. Zudem gehe ich normalerweise mehrmals wöchentlich in einem Restaurant arbeiten. Das ist im Moment natürlich nicht möglich. 



SZENE: Die Universität  musste sich der Situation auch entsprechend anpassen. Hand auf's Herz: Sind Online-Vorlesungen theoretisch nicht besser, als im überfüllten Hörsaal zu sitzen? Wie klappt es mit den Online-Kursen und wie sieht die Realität wirklich aus?

Ich gehörte zu den Wenigen, die sich sehr auf die Online- Kurse gefreut haben. Man spart Zeit, weil man nicht mehr zwischen den Gebäuden pendeln muss und kann sich mit der Thematik der Seminare im eigenen Tempo beschäftigen- dachte ich... Jedoch sieht die Realität ganz anders aus. Ich habe mich zu früh gefreut. Die Systeme sind überlastet, viele Dozenten überfordert, Studenten verzweifelt, mein Internet schlecht, der Laptop langsam und das Arbeitspensum immens hoch. Die Dozenten sind sehr verständnisvoll, jederzeit erreichbar und bemühen sich um Alternativen. Ich bin sehr gespannt, wie sich alles in den kommenden Wochen entwickeln wird.

SZENE: Der Frühling steht in voller Blüte, früher hätte man sich vermutlich in dieser Zeit mit Freunden auf ein Eis getroffen. Was vermisst du besonders?


Am meisten fehlt mir, selbstbestimmt entscheiden zu dürfen, wo und mit wem ich meine Zeit verbringe. Gerne würde ich mich mit Freunden bei gutem Wetter, bei einem Eis und guten Gesprächen auf eine Wiese, eine Bank oder an den Hafen setzen, oder bei schlechtem Wetter ein Restaurant aufsuchen. Das fehlt mir sehr!

SZENE: Zwangsläufig wurde die Digitalisierung stark vorangetrieben. Meinst du, wir profitieren alle davon?

Das ist eine gute Frage. Gerade im schulischen Bereich kann ich mir vorstellen, dass sich in Zukunft vieles positiv verändern wird. Lehrer sollten in der Lage sein, ihren Unterricht mit Hilfe digitaler Medien so zu gestalten, dass Schülerinnen und Schüler Freude am Zuhören, Mitdenken und Lernen haben. Durch die jetzigen Umstände werden sich Lehrpersonen hoffentlich neue Möglichkeiten auftun, ihre Schützlinge für das eigene Fach zu begeistern. Man muss mit der Zeit gehen und Digitalisierung gehört nun mal dazu. Dennoch finde ich es wichtig (und da spreche ich nicht nur von Schule oder dem Unileben), dass uns Dinge wie bspw. Bücher, Bargeld und Gespräche von Angesicht zu Angesicht erhalten bleiben.

SZENE: Was tust du, damit dir die Decke sozusagen nicht auf den Kopf fällt und wie hältst du dich auch körperlich fit?

Ich war in den letzten Wochen ausgiebig mit dem Schreiben meiner Hausarbeiten beschäftigt. Langeweile kam da nicht auf. Um abzuschalten habe ich die Zeit genutzt und Geige geübt, gemalt, gelesen oder mit Freunden geskyped. Um mich fit zu halten, mache ich Workouts oder Yoga. Doch meine Motivation, Sport zu machen, hält sich oft in Grenzen. 



SZENE: Gibt es eine Veranstaltung, die du gern besucht hättest, die der Pandemie aber nun leider zum „Opfer“ gefallen ist?

Da kommt glatt Wehmut in mir auf. Im März wäre „Lord of the Dance“ in Rostock aufgetreten. Am Abend vor dem Auftritt erfuhren wir, dass alle kommenden Veranstaltungen der Stadthalle abgesagt werden müssen. So auch diese. Und als wäre das nicht schon genug, wurde nun auch noch mein geliebtes Rammstein- Konzert, das im Juli in Hamburg stattgefunden hätte, gecancelt. Ich möchte doch mal stark hoffen, dass die Veranstalter nicht auf die Idee kommen, „Lord of the Dance“ oder „Rammstein“ gänzlich zu streichen. Ich warte sehnlichst auf einen Ersatztermin!

SZENE: Wenn die Krise vorüber ist, was denkst du, wird sich für dich ändern?

Ich bin dankbarer geworden für das, was ich habe und bin zufriedener. Ich nehme jeden Sonnenstrahl, jedes Vogelgezwitscher und jedes Kinderlachen bewusster wahr. Wenn die Krise vorüber ist, wird dieses Gefühl hoffentlich weiter anhalten. Ganz nebenbei hoffe ich, dass ich dann endlich wieder arbeiten gehen kann.



SZENE: Ehrenamtlich engagieren sich zur Zeit viele Menschen besonders stark, nähen Atemschutzmasken oder kümmern sich um Nachbarschaftshilfe. Denkst du, dass der Zusammenhalt bei uns Menschen langfristig gefestigt wird?

Das hoffe ich! Ich denke, dass es viele gute Menschen dort draußen gibt, die ihre Augen für jene offen halten, denen es schlecht geht, die in Not sind und denen geholfen werden muss. Doch die Vergangenheit zeigt leider, dass einige sich selbst der Nächste sind, frei nach dem Motto: wenn jeder an sich selbst denkt, ist an jeden gedacht. Das haben wahrscheinlich einige von uns in den letzten Wochen beim Einkaufen feststellen müssen. Die Regale waren wie leergefegt, Nahrung in vielen Geschäften ausverkauft, dem Gegenüber wurde die letzte Packung Toilettenpapier entrissen und jeder schaut jeden vorwurfsvoll an, der einen kleinen Schnupfen hat, denn er könnte ja Corona- infiziert sein. Unsere Gesellschaft durfte in den letzten Monaten beides erleben. Es gibt Menschen, die sich aufopferungsvoll um ihren Nächsten kümmern und dann gibt es die, die egoistisch handeln, denken und argumentieren. Es bleibt zu hoffen, dass das Verhalten der Gutherzigen auf das Verhalten der Engstirnigen, Rücksichtslosen abfärbt. 



SZENE: Zwar lockern sich die Regeln langsam wieder, jedoch hatten viele Menschen mit dem Kontaktverbot stark zu kämpfen. Wie ging es dir damit? 

Das Kontaktverbot schränkt mich nicht unbedingt ein. Trotzdem würde ich gerne wieder arbeiten gehen, Freunde oder Familie besuchen oder mit mehr als einer Person gemütlich beisammen sitzen.  Ich kann nachvollziehen, dass wir die alten und kranken Menschen in unserer Gesellschaft schützen müssen und bemühe mich sehr, Abstand einzuhalten. Dennoch finde ich es übertrieben, Kontaktverbote auszusprechen. In den Jahren 2017/18 starben über 25 000 Menschen allein in Deutschland an der Grippe. Niemand hat damals Anstalten gemacht, zu dem Zeitpunkt die Alten oder Kranken unter uns zu isolieren, ein Kontaktverbot oder Maskenpflicht einzuführen. Jeder Magen- Darm- Infekt kann jemanden umbringen, der schwach oder älter ist. Trotzdem habe ich in den letzten Jahren weder Desinfektionsmittelspender an Supermarkteingängen gesehen, noch wurde ich aufgefordert, einen Mindestabstand einzuhalten. Wir sprechen bei COVID-19 von einem Erreger, der bei jungen, gesunden Menschen ähnlich verläuft, wie eine Erkältung oder eine Grippe. Mehr nicht. Und man darf nicht vergessen, dass bei den Coronatoten nicht unterschieden wird ob jemand mit oder an Corona stirbt. Dennoch halte ich mich natürlich an das Kontaktverbot. Schließlich möchte ich nicht, dass meinetwegen andere krank werden könnten, die eine Corona- Infektion nicht problemlos überstehen würden.

SZENE: Welche Filmempfehlung würdest du uns für einen gemütlichen Abend geben?


Die Serie „Modern Family“ steht auf meiner Liste ganz oben. Ich denke, dass sich jeder in den Charakteren der Figuren ein Stück weit wiederfinden kann. Es vergeht keine Folge, in der man nicht Tränen vor Lachen oder vor Rührung in den Augen hat.

SZENE: Hast du einen persönlichen Lese-Tipp? Welches Buch hat dich in letzter Zeit am stärksten fasziniert und abgeholt?
Momentan lese ich „Der Insasse“. Das ist das erste Mal, dass ich ein Buch von Sebastian Fitzek lese und bisher bin ich begeistert. Bereits die ersten Seiten sind packend, schaurig und spannend. Für jeden, der es gerne düster und irre mag, ist dieses Buch super! Welches auch sehr gut, aber ganz anders ist, ist das Buch „Mögest du glücklich sein“, von Laura Malina Seiler. Es hat mich sehr geprägt und dafür gesorgt, dass ich mit einem anderen Blick durch's Leben gehe. Ich lebe bewusster. Nicht bezogen auf meine Ernährung oder Fitness- nein. Aber es inspiriert mich, mein Leben zu verändern, Dinge, die man nicht verändern kann, zu akzeptieren und.... einfach glücklich zu sein.

SZENE: Danke für das Interview!

 

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