Kolumne: Planungssicherheit

Klaus müsste zufrieden sein. Das Haus ist abbezahlt und das Business ist nicht mehr so stressig, seit die Angestellten wissen, was sie zu tun haben. Nachdem seine Freundin ihn verlassen hatte, ging es ihm naturgemäß schlecht. Nicht dass er ihr großartig nachtrauerte, er konnte sie oft nicht verstehen, hatte vielleicht nicht immer die nötige Zeit für sie, weil das Business ja laufen musste. Trotzdem war sie ein nicht unrelevanter Teil seiner Zukunftsplanung. Wenn sie den Kopf an seine Schulter legte, sagte er ihr, wie er sich das alles vorstellte. Erklärte ihr, was Kompromissbereitschaft bedeutet. Im Gegenzug hatte er ihr alles ermöglicht, ihr die finanziellen Grundlagen geschaffen, auch wenn er wusste, dass ihre Projekte zum Scheitern verurteilt waren, sich nicht refinanzieren würden. Seine Vorbehalte sagte er ihr auch. Manchmal wurden ihre Gespräche sehr laut, manchmal drohte er und sie warf Dinge durch den Raum. Aber handgreiflich wurden sie nie, meistens hatten sie nach so einem Streit hervorragenden Sex. Und er wollte ihr auch keinen Wunsch abschlagen. Also setzte sie sich regelmäßig durch, gegen jeden gesunden Menschenverstand. Manches Augenrollen und Kopfschütteln konnte Klaus sich nicht verkneifen und sie warf es ihm vor, als sie sein Haus verließ. Was hätte er tun sollen, schrie er ihr nach. Hätte er heucheln sollen, ihr vormachen sollen, dass er ihre Luftschlösser nicht realistisch einschätzen könne?
Die Sekretärin half ihm über die schwere Zeit nach der Trennung hinweg. Sie hörte zu, bestätigte seine Positionen und Meinungen, revidierte sich, wenn er anderer Meinung war und etwas lauter werden musste. Sie gab ihm emotionalen Halt, wie er es nannte und nötig hatte. Bald hatte Klaus sich gefangen, freute sich über die Leistungen seiner Angestellten, sagte ihnen regelmäßig, dass sie das gut machten.
Natürlich musste Einiges neu und anders betrachtet werden, man macht dann auch Fehler, aber gerade im Business ist es eher kontraproduktiv, Fehler zuzugeben. Im Detail betrachtet scheitert es meist nicht an den Ideen, sondern an der Umsetzung. Jedoch musste Klaus feststellen, dass seine Mitarbeiter nun regelmäßig Lösungen fanden, indem sie situativ und über seinen Kopf hinweg Dinge entschieden, was nicht ihren Kompetenzen entsprach. Längerfristig konnte man das nicht zulassen.
Im Mitarbeitergespräch erklärt Klaus, was besprochen war, er rügt den Vorarbeiter, sagt, er würde es nicht zulassen, wenn gegen ihn gearbeitet würde. Dann steht sein Vorarbeiter auf und reicht Klaus einige mit Excel-Tabellen und Stichpunkten gefüllte Blätter. Der Vorarbeiter stellt fest, dass sie den Betrieb übernehmen würden. Die Kaufsumme sei großzügig berechnet. Man sei dankbar, aber hätte festgestellt, dass ein erfolgreicher Betrieb nur ohne Klaus gesichert werden könne. Auf der fünften Seite findet Klaus eine Kalkulation, in welcher er als stiller Teilhaber am Gewinn beteiligt wird. Er zerreißt das Blatt, fordert eine höhere Kaufsumme. Man einigt sich.
Also müsste Klaus zufrieden sein. Das Haus ist abbezahlt und das Business ist nicht mehr so stressig, seit die Angestellten wissen, was sie zu tun haben.