Interview: Thomas Anders

(c) Ben Wolf

Authentisch und unglaublich charismatisch - so könnte man THOMAS ANDERS kurz und knapp beschreiben. Als er vor zwei Jahren mit „Pures Leben“ sein erstes deutschsprachiges Album veröffentlichte, sorgte dies für Überraschung und Begeisterung gleichermaßen. Der Nachfolger „Ewig mit Dir“ kommt mit einer ansteckenden Leichtigkeit daher und verbreitet ganz unkitschig die Gewissheit, dass am Ende doch irgendwie alles gut wird.

SZENE: „Ewig mit Dir“ hat eine unglaublich positive Grundstimmung. Was möchtest du deinen Hörern damit vermitteln?

THOMAS: Diese positive Stimmung ist so wichtig, weil ich es bin. Weil ich so lebe. Das mag vielleicht für den einen oder anderen nicht nachvollziehbar sein, aber ich bin grundsätzlich ein sehr positiv denkender Mensch. Ich finde, dass wir diese Kraft brauchen, um das Leben hier zu meistern. Und das geht leichter, wenn ich positiv eingestellt bin. Ich bin der typische „Das Glas ist immer halb voll“-Mensch und dementsprechend spiegelt sich das auch in meinen Songs wider. Ich könnte gar keine Titel mit einer negativen Grundaussage singen, weil mir das einfach widerstrebt! 

SZENE: Das ist jetzt dein zweites deutschsprachiges Album. Das erste hattest du als echte Herausforderung deklariert. Wie lief es beim zweiten Album?

THOMAS: Wenn man das vom Zeitlichen her sieht, hat das erste Album vom Anfang - damit meine ich auch das Ausprobieren, denn ich habe mich ja auf neues Terrain bewegt - bis zur Veröffentlichung vier Jahre gebraucht. Und „Ewig mit Dir“ 13 Monate. Daran sieht man, dass ich beim zweiten Album schon viel konkreter wusste, was ich haben möchte. Es ging dann schon mehr oder weniger darum, die richtige Songauswahl zu treffen. Beim ersten Album ging es zunächst einmal darum, welche Richtung man einschlagen sollte. Und das ist viel komplexer zu sehen, als „nur“ Songs auszusuchen.

SZENE: Deine Stimme wirkt ganz anders, wenn du auf deutsch singst...

THOMAS: Ich war trotzdem etwas unsicher, deswegen hat es auch so lange gedauert. Natürlich muss man als Künstler, wenn man in seiner Muttersprache singt, die Songs auch mögen. Und es ist schon so, dass jede Stimme anders klingt. Das merkt man ja auch an sich selbst. Wenn man Englisch spricht, ist der Stimmklang ein anderer, als wenn man Deutsch spricht. Und mit dem Singen ist das exakt das Gleiche, weil die Töne anders geformt werden. Das war einfach dieser lange Weg, den wir beim ersten Album gehen mussten: Welche Art von Musik oder welche Art von Song interpretiere ich? Mache ich das überhaupt? Ich war mir nicht zu 100 Prozent sicher. Es ist sozusagen einfach ein Resultat, dass „Pures Leben“ herauskam. Eines der schönsten Komplimente dazu war eine Rezension von einem Fan. Da stand nur: „Es klingt, als hätte er nie etwas anderes gemacht.“ Das ist natürlich eine tolle Bestätigung. Da weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat. 

SZENE: Ist es mittlerweile für dich angenehmer, auf deutsch zu singen?

THOMAS: Es ist einfach meine Muttersprache. Es gibt doch irgendwie immer so eine Millisekunde, in der wir übersetzen müssen - was auch immer dabei so windungsmäßig im Gehirn abgeht. Die Muttersprache ist sofort drin! Die deutsche Sprache besitzt ja auch viel mehr Wortschatz als die englische. Heißt: Ein englischer Text lässt mehr Möglichkeiten zur Interpretation - auch zur emotionalen - offen. Und das ist im Deutschen eben nicht so. Hier gibt es manchmal Gefühle und Situationen, für die wir im Deutschen fünf oder sechs Worte haben, im Englischen nur zwei, der Rest ist Interpretation. Und da das richtige Wort zu finden, dass sich dann im optimalen Fall noch reimen sollte beziehungsweise nicht kitschig klingen darf, das ist eine Herausforderung für die Texter. Ich glaube, es ist wesentlich schwieriger, einen gehaltvollen guten deutschen Text zu schreiben als einen englischen. Und das macht das Ganze ein bisschen kniffliger. 

SZENE: Die Mehrzahl der Texte auf dem Album wurden nicht von dir geschrieben. Kannst du denn zu diesen Songs überhaupt eine Beziehung aufbauen?

THOMAS: Ja, das geht ganz schnell! Es ist so, dass ich für ein Album ganz viele Songs angeboten bekomme. Beim ersten Hören muss ich sofort etwas empfinden. Da muss ich mich im Studio diesen Song interpretieren sehen können. Die zweite Stufe ist: Was mache ich damit? Wie lebe ich den Titel auf der Bühne? Wenn das nicht kommt, ist es nicht der richtige Text und nicht der richtige Song. 

SZENE: Der Song „Das Leben ist jetzt“ strotzt ja nur so vor Optimismus - dass man den Moment leben und das Leben auskosten soll. Ist das auch dein Lebensmotto?

THOMAS: Ich versuche es! Also wenn ich sagen würde, ich lebe genau so - das glaubt ja kein Mensch. Aber ich versuche es und ich wehre mich auch nicht dagegen. Es gibt ganz viele Menschen - das habe ich so beobachtet -, die die Vergangenheit glorifizieren, in die Zukunft alle Hoffnung hineinstecken und das Hier und Jetzt als nervig und schwer empfinden. Aber wir leben doch im Hier und Jetzt! Ich weiß doch gar nicht, was kommt! Warum gebe ich soviel Energie in etwas, das ich nicht verändern kann? Die Vergangenheit kann ich nicht verändern und die Zukunft kann ich auch noch nicht verändern. Und dadurch vergesse ich das Hier und Jetzt. „Ewig mit Dir“ ist jetzt aber kein Album, das lebensphilosophisch daherkommen soll, sondern es soll unterhaltsam sein und dem Zuhörer mitteilen: Hey, gib dir doch mal einen kleinen Kick. Versuch doch einmal das Heute und das Hier und das Jetzt zu sehen und lass doch einfach mal die kleinen Sorgen sein! Wir Menschen neigen manchmal dazu, uns das Leben so schwer zu machen. Davon soll das Album etwas ablenken. 

 

SZENE: Bei „Sie sagt doch, sie liebt mich“ hast du mit Florian Silbereisen zusammen gearbeitet. Wie kam es dazu?

THOMAS: Der Song stand bereits. An dem Text habe ich auch mitgeschrieben. Wir suchten dann einen Duett-Partner, weil die Geschichte das einfach so vorsieht, dass da noch jemand rein muss. Mein Produzent und ich setzten uns hin und überlegten: Wen können wir denn jetzt fragen? Wer passt? Wer hat Zeit? Das ist ja auch immer so eine Sache und da gibt es auch gewisse „Regeln“ in dieser Branche. Da fiel uns der Florian ein. Ich kannte Florian aus anderen Sendungen und er ist wirklich ein sehr angenehmer Mensch. Ein sehr lustiger und auch lebensfroher Mensch. Da sagten wir uns: Eigentlich würde der super passen, weil der verkörpert das auch! Dann haben wir ihn gefragt und er hat „ja“ gesagt. 

SZENE: „Menschen“ würde ich als eine Art Neu-Interpretation von „Human“ (The Killers) sehen. Warum hast du gerade dieses Lied ausgewählt?

THOMAS: Das war die Idee meines Produzenten. Er sagte: „Immer, wenn ich „Human“ höre, denke ich mir: Mensch, das könntest du auch singen!“ Abgesehen davon, dass ich den Song ganz toll finde, war er ja auch ein Welthit. Wir hatten ihn eigentlich schon für das letzte Album vorgesehen, aber da mahlen auch in unserer Branche die Mühlen etwas langsam. Man muss ja den Verlag und die Künstler anfragen, denn die müssen erlauben, dass der Titel in einer anderen Sprache gesungen wird. Da muss man dann den Text vorlegen, dann wird dieser Text wieder übersetzt und dann dauerte es letztendlich ein Dreivierteljahr. Er wurde dann auch nicht mehr fertig für das letzte Album. Wir bekamen aber letztendlich die Genehmigung und sagten: „Der ist so toll dieser Titel! Deshalb bringen wir ihn jetzt auf „Ewig mit Dir“.“ Es ist ein absolut gelungener Song. Immer wenn ich ihn höre, bekomme ich Gänsehaut - besonders am Ende, wenn der Kinderchor kommt. Dann denke ich: Das wird plötzlich so real. Wir sind Menschen, wir haben verschiedene Generationen, wir haben verschiedene Bedürfnisse. Wir sind alle eins. 

 

SZENE: Mit „Giganten“ ist auch ein sehr euphorisches Stück entstanden. Es macht Mut, über sich hinauszuwachsen und enthält die Botschaft, dass alles möglich ist und Träume wahr werden können. Glaubst du daran?

THOMAS: Es ist grundsätzlich alles möglich, aber es erfüllt sich nicht alles! Es gehört immer eine gewisse Realitätsnähe dazu. Wenn ich jetzt sagen würde, ich könnte amerikanischer Präsident werden, weiß ich, dass das nicht möglich ist - da gibt es ja Gesetze. Es geht hier aber vielmehr um den eigenen Kosmos, ob es nun eine Reise ist oder ein teures Auto oder sonst was. Aber möglich ist das alles, finde ich. Es gibt einfach ganz viel, das durch unser Unterbewusstsein gelenkt wird. Wenn ich mich jetzt aber selbst jeden Tag bemitleide, dann sind meine Probleme auch schon ein bisschen hausgemacht. Es würde ja schon vielen gut tun, einfach einmal eine eigene Reflektion zu starten. Vielleicht müsste ich ja doch etwas ändern? Aber dann kommen die Gewohnheiten. Und Gewohnheiten sind einfach schwer zu ändern. Vielleicht kann ich ja ein paar Leute durch das Album ein wenig wachrütteln. 

SZENE: Welcher Song auf dem Album ist dein persönlicher Favorit?

THOMAS: Ich habe noch keinen. Noch nicht. Das sind alles Titel, die ich mag, sonst hätte ich sie nicht aufgenommen. Aber einer der Favoriten ist ganz klar „Hätt’s nicht ohne dich geschafft“ - das ist ein Song, den ich für meine Frau singe. Das ist ein ganz persönlicher Song. 

 

Interview: Anne-Katrin Kliem