Interview: One Night Of Tina. Sharon Ballard

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Stellt euch vor, ihr befindet euch im Publikum der gefeierten Tina Turner Live Show aus London mit dem Titel „One Night of Tina“, die der größten Rockröhre aller Zeiten Tribut zollt. Aus dem Nichts erschüttert die unverwechselbare Stimme der Queen of Rock die dunkle Halle, ein Lichtstrahl taucht den Schatten auf der Bühne in gleißendes Licht: TINA! Wir sprachen mit Sharon Ballard, Sängerin und Schauspielerin, die in Tinas Rolle schlüpfen wird, um die Konzerthallen zum Beben zu bringen! Das Timing könnte nicht besser sein: am 26. November 2019 feiert Tina Turner ihren 80. Geburtstag. Die perfekte Gelegenheit, um das musikalische Lebenswerk dieser Ikone mit „ONE NIGHT OF TINA” zu würdigen. Und schon am 29. November könnt ihr euch in der StadtHalle selbst von der atemberaubenden Show überzeugen!

 

SZENE: Du wirst in einem Musical auf der Bühne stehen, also frage ich zuerst die offensichtlichste und beliebigste Frage: Was können wir von „One Night Of Tina“ erwarten?

Sharon Ballard: Grundsätzlich ist es eher ein Konzert und kein Musical. Wir wollen einfach nur diese ikonischen Konzerte aufleben lassen, an die wir uns bei Tina Turner erinnern. Du weißt schon, diese epischen Konzerte. Wir haben die Sänger, die Bühne und eine große Band und wir hoffen, dass wir alle umhauen und zusammen eine riesen Party feiern. Tinas achtzigster Geburtstag ist während der Tour, also wird es eine große Feier. Offensichtlich werde ich Tina spielen, und ich werde spielen, als wenn es das letzte Konzert wäre. Wir präsentieren die Evolution ihrer Musik und ich werde ein wenig ihr Leben leben. Hauptsächlich ist es also ein Konzert und die Feier ihrer großen Erfolge auf der Bühne.

SZENE: Welche Verbindung hast du mit Tina, abgesehen vom „Greatest Hits“-Album, das du in deiner Kindheit hörtest?

Sharon Ballard: Ich denke, bezüglich der Lebensumstände gibt es Ähnlichkeiten. Ich bin auch durch eine Scheidung gegangen, war alleinerziehende Mutter. Da gibt es Dinge, die uns verbinden, abgesehen von der Liebe zur Musik und meiner Stimme, die zu ihrer passt. Ich vermute, es ist ihre emotionale Reise, der ich mich verbunden fühle. Sie ist nicht zu vergleichen, aber es gibt Überschneidungen. Ich war aber schon immer ein riesen Tina Turner Fan und als ich zum ersten Mal in einem Musical mitspielte, wurde ich bereits von den Kollegen Tina genannt. Weil ich auf der Bühne so viel Energie hatte. Wenn die Show toll ist, will ich sie noch größer machen. Als das erste Tina-Turner-Musical „Soul Sister“ nach London kam, wurde ich bereits verpflichtet, aber es war die Zeit, als ich schwanger wurde. Viele Leute sagten, dass es meine Show wäre, jedoch stellten sie fest, dass sie das Risiko nicht eingehen könnten, weil das Baby noch zu jung sein würde. Ich war am Boden zerstört und hab geheult und geheult … Es ist dann doch irgendwie verblüffend, dass ich acht Jahre später wieder diese Gelegenheit bekomme und jetzt werde ich Tina auf der Bühne sein! Fantastisch!

SZENE: Das klingt, als hättest du bereits viel Training für diese Tour gehabt?

Sharon Ballard: Absolut ja! Und das erstaunliche Ding ist, wenn in Vorbereitung auf die Tour die Presse eingeladen wurde und ich auftrat, sagten einige, es sei die beste Tina-Darstellung, die sie je erlebt hätten. Dagegen dachte ich, das ist gar nicht so viel Schauspiel, das bin ich!

SZENE: Wenn du mit Tina so verbunden bist, hättest du das Musical doch schon in London spielen sollen und nicht erst für das deutschsprachige Publikum auf dieser Tour?

Sharon Ballard: Hab ich seltsamerweise nicht, weil ich hauptsächlich Fernsehschauspielerin war, was mir keine Zeit ließ für die Bühne. Gerade jetzt wurde ich angefragt, ob ich das Musical in der nächsten Saison in London spielen würde. Es ist noch nicht offiziell, aber ich wurde angefragt, vielleicht weil sie mich als Tina gesehen haben und feststellten, dass es sehr viel Sinn macht. Sie mussten es ja neu herausfinden, da ich nach vielen Musicalauftritten zu Karrierebeginn in den letzten Jahren sehr auf die Fernseharbeit konzentriert war.

SZENE: Gibt es einen Song, den du bevorzugst?

Sharon Ballard: Der Song, den ich bevorzuge wäre „Proud Mary“. Er passt zu meiner Stimme wirklich gut. Wenn es um die Vorfreude geht, weiß ich, die Fans werden immer auf „Simply the best“ warten. Aber ich denke, „Proud Mary“ wird die Fans auch mitnehmen. Wir haben ein wenig neu interpretiert, auch drauf freue ich mich.

SZENE: Gibt es einen besonders harten oder schwierigen Song?

Sharon Ballard: Tatsächlich ist „Proud Mary“ neun Minuten lang. Wir werden viel tanzen und uns bewegen in dem Song, aber es wird auch eine Menge Spaß machen.

SZENE: Was ist die größte Herausforderung bei der Verwandlung in Tina?

Sharon Ballard: Zurzeit trainiere ich jeden Tag. Nach den heutigen Interviews werde ich ins Fitness-Studio gehen. Denn ich weiß, dass es schwierig sein wird, immer die Ausdauer bereit zu haben. Für mich ist die Herausforderung nicht so sehr der Gesang in diesem Musical, oder die Darstellung, sondern den Atem zu behalten. Wenn du dir die Konzerte Tinas ansiehst, was sie da machte ist richtig anstrengend. Eineinhalb Stunden, ohne Unterbrechung, es wird eine große Herausforderung.

SZENE: Wird deine Familie auch dabei sein?

Sharon Ballard: Meine Familie bleibt in London, aber sie werden in Wuppertal vorbeischauen. Die Familie meines Ehemannes lebt dort und einige kommen noch aus England dazu, es wird wie ein zu Hause sein. Dabei werde ich darauf fokussiert bleiben Tina zu sein, für einen ganzen Monat und 26 Auftritte.

SZENE: Wann erwartest du, dass ihr anfangt, euch auf der Tour gegenseitig auf die Nerven zu gehen?

Sharon Ballard: Oh nein, das werden wir nicht. Aber ich bin tatsächlich noch nie in einem Schlafbus unterwegs gewesen. Das ist meine größte Sorge, ehrlich gesagt. Ich bin mir nicht sicher, wie es ist, neben Musikern zu schlafen und ich hoffe, sie werden nicht zu laut Party machen. Weil ich dann auch Party machen wollte, aber physisch nicht könnte, weil ich solch eine große Rolle zu spielen habe.

SZENE: Aber deine Familie ist in England, also musst du mit den Musikern feiern?

Sharon Ballard: Ja, das ist es, was mein Mann immer sagt: „Sharon, mach doch keine Scherze. Wir wissen, dass du Party machen wirst, wir wissen es doch.“ Und ich sage: „Nein, nein, nein ich werde meine Stimme schonen müssen!“

SZENE: Es war sehr eng. Wie groß war die Erleichterung, als ihr nicht für den Eurovision Song Contest ausgewählt wurdet?

Sharon Ballard: Weißt du, wir dachten wirklich einen Song gemacht zu haben, den das Publikum haben wollte. Aber mehr Leute wollten es etwas kitschiger, sowas wie die große Melodie, den Stolz der Liebe und tatsächlich sollte dieser Event auch den Fans geben, was wirklich gewollt wird. Und wir hatten eine tolle Zeit, haben den Song zusammengestellt und sind stolz auf ihn.

SZENE: Wenn du entscheiden könntest: Wäre es Schauspiel oder Gesang, wäre es die Bühne oder die Filmkulisse, oder würde es etwas ganz anderes sein?

Sharon Ballard: Oh, wenn ich entscheiden könnte. Das ist, denke ich, das größte Problem in meiner Karriere. Es ist so schwierig, weil ich das Schauspiel und den Gesang liebe. Weißt du, was meine ideale Rolle wäre? Sie wäre auf dem Bildschirm, weil ich die Arbeit beim Film liebe und spielen würde ich eine Sängerin. Das würde meine ideale Rolle sein, jetzt muss ich nur noch auf den richtigen Anruf warten.

SZENE: Ich habe ein paar kurze Comedy-Stücke auf YouTube entdeckt. Jedoch wurden keine neuen in diesem Jahr veröffentlicht. Wird es weitere geben?

Sharon Ballard: Ja, wir haben die Clips mit meiner Comedy-Partnerin Roxanne Palmer gemacht. Leider wurde sie krank, ist zum Glück jetzt auf dem Weg der Besserung. Wir lieben es, uns gegenseitig zum Lachen zu bringen und ich liebe Comedy. Ich habe einige Stücke, an denen ich immer wieder schreibe und arbeite. Meine geheime Passion ist das Schreiben, ist tatsächlich das Schreiben von TV-Comedy. Ein weiterer meiner Träume, der mit auf die Liste geschrieben werden kann.

SZENE: Kannst du diese Kreativität auf der Tour einbringen? Ist das Musical beeinflusst von dir und deinen Stücken, oder ist da nur Tina?

Sharon Ballard: Da es viel Rede und Text im Musical gibt, schlage ich dringend vor davon auszugehen, dass einiges von mir und meinem Material mitspielt. Dieses Musical würde nicht funktionieren, wenn es sich nicht miteinander vermischen würde. Es ist eine riesen Freude für mich.

 

SZENE: Vielen Dank für das Gespräch

 

 

Interview: Jens Lippert