Interview. MAWI-Concert

 

Das Jahr 2020 hat uns alle unerwartet hart getroffen, aber vor allem die Künstler und Konzertveranstalter bangen aktuell um ihre Existenz. MAWI-Concert hat uns einen Blick auf die Planung der zukünftigen Konzerte erhaschen lassen und vor allem aufgeklärt, warum es jetzt so wichtig ist, bereits gekaufte Tickets zu behalten. Dass Gespräch lässt aber auf ein bunteres Jahr 2021 hoffen, mit vielen tollen Showacts!



 

SZENE: Durch das Coronavirus habt ihr bestimmt einen enormen Rückschritt erlitten. Wie sieht es zur Zeit aus und wie gefährlich ist die Situation für euch als Konzertveranstalter?

MAWI-Concert: Es ist aktuell wirklich sehr schwierig. Wir haben seit 3 Monaten faktisch keine Einnahmen. Niemand kauft Tickets, ganz egal, ob nun für dieses oder nächstes Jahr. Das Geld wird natürlich zusammengehalten oder für andere Dinge ausgegeben. Für uns ist das gerade wie ein Berufsverbot, da wir dem, was wir sonst tun, nicht nachkommen dürfen.

SZENE: Musstet ihr auch Kurzarbeit anmelden und Hilfen beantragen? Wenn ja, wie hat das geklappt?

MAWI-Concert: Ja, das mussten wir! Unser Unternehmen hat zwischen 30 und 40 Mitarbeiter und wir mussten definitiv Kurzarbeit anmelden. Spannend ist, dass wir wahnsinnig viel zu tun haben. Von ca 500 Veranstaltungen, haben wir nun knapp 200 verschoben oder abgesagt, was ja auch nicht von alleine geschieht. Das ist tatsächlich sehr viel Arbeit.

SZENE: Wie lange könnt ihr das Tief noch überbrücken?

MAWI-Concert: Das ist eine ziemlich gute Frage! Das kann man so pauschal schwer sagen. Wir haben im letzten Jahr ganz gut gewirtschaftet, das funktioniert daher ganz gut. Wir haben jetzt allerdings auch schon KfW-Kredite aufgenommen und sind daher recht optimistisch, dass wir das bis Ende des Jahres irgendwie durchstehen werden. Bestenfalls geht es Anfang nächsten Jahres wieder los. 
 

SZENE: Die Daumen sind fest gedrückt, dass es bald wieder losgehen kann! Auch, wenn die Konzerte ausfallen, bleibt dennoch viel für euch zu tun mit den vielen Absagen und Neuplanungen. Was musstet ihr in den letzten Wochen alles bedenken?

MAWI-Concert: Als es mit den Veranstaltungsverboten anfing, hatten wir bereits überlegt, was nun noch realistisch wäre. Wir hatten die ersten Veranstaltungen auf den September verschoben, was nicht ganz die beste Entscheidung war, wie sich ja dann herausgestellt hat (lacht). Jetzt verlegen wir die Termine eher auf 2021! Es ist äußerst schwierig überhaupt Termine zu finden, weil bei vielen Spielstätten einfach nichts mehr frei ist, so ganz nach dem Prinzip: first come first serve. Es ist auch wahnsinnig schwierig einzuschätzen, was nächstes Jahr funktionieren wird und was nicht. Das alles ist also schon ein bisschen Russisch Roulette.

SZENE: Hattet ihr nicht auch eine Gutscheinaktion? Wie lief diese?



MAWI-Concert: Genau, es gab die Entwicklung mit dieser Gutscheingeschichte, welche generell zur Zeit einen großen Aufwand mit sich bringt, da wir die Leute über die Änderungen natürlich alle informieren müssen. Einige werden auch schnell ungeduldig und können es nicht abwarten, sondern schreiben täglich E-Mails oder rufen an. Auf der einen Seite kann man das auch verstehen, dass die Menschen wissen wollen, was nun mit ihrem Geld ist. Aber auf der anderen Seite kommen wir nur beschwerlich hinterher, weil es auch für uns eine ungewohnte und schwierige Situation ist. Da kommen aktuell wirklich ganz viele Punkte zusammen.

SZENE: Wie schwierig ist das mit den Stornierungen wirklich? Welche Folgen kann es haben, wenn nun alle ihre Tickets zurück fordern würden?

MAWI-Concert: Bis März ist ja ganz normal Geld ins Unternehmen geflossen. Dann hörte das natürlich durch Corona plötzlich auf, also von hundert auf null. Und seit dem ist das so geblieben. Wir arbeiten jetzt praktisch mit dem Geld, das wir von den verschobenen Veranstaltungen eingenommen haben und versuchen wirklich alles, damit das auch klappt und diese auch stattfinden können. Deshalb ist uns das Vertrauen der Leute unglaublich wichtig. Wenn dann aber alle ihr Geld zurück haben wollen würden, dann würde es wirklich schwierig werden. So viele Rücklagen haben wir leider natürlich nicht. Deshalb müssen wir wirklich hoffen, dass die Leute uns ihr Vertrauen schenken und ihre Karten bis zum nächsten Jahr behalten.

SZENE: Da ist Vertrauen und ein bisschen Geduld gefragt. Habt ihr bereits viele Veranstaltungsanfragen für 2021?

MAWI-Concert: Für 2021 nicht so richtig, aber für 2022 haben wir bereits neue Anfragen. 2021 wird so ein bisschen „zwei Jahre in einem“. Es gibt ein paar ganz große Künstler, die eigentlich für nächstes Jahr eine große Tournee geplant hätten. Diesen Sommer hätten wir auch jede Menge Shows gehabt, die wir nun auf kommendes Jahr verschieben. Das wird also noch richtig sportlich.

SZENE: Könnt ihr als Konzertveranstalter oder die Künstler wegen der Krise auch zukünftig langfristigen Schaden annehmen?

MAWI-Concert: Es ist sogar jetzt schon ein mittelgroßer Schaden entstanden. Viele Menschen haben nicht im Blick, dass die mittelgroßen oder großen Konzertagenturen ja nicht direkt wegsterben. Aber die Industrie besteht ja aus deutlich mehr Menschen. Angefangen bei der Gastro, Security, Techniker und auch kleine Künstler, für diese wird es wirklich existenziell. Diese sind sich oft nicht sicher, ob sie nach der Pandemie überhaupt weitermachen können. Wir alle befürchten gerade das große Clubsterben. Wenn ich jetzt an den MAU Club denke, oder an den Stadtpalast, das wird ganz schwierig. Gerade dann, wenn wir mit kleineren Künstlern dort auftreten wollen, die sich vielleicht noch im Aufbau befinden. Es geht da gar nicht um die großen Künstler wie z.B. Marteria, die große Stadien gefüllt bekommen. Alle Künstler haben mal deutlich kleiner angefangen. Aber wenn die Clubs wegsterben, dann fällt das Vorfeld praktisch weg, wo die kleinen Künstler sich Stück für Stück aufbauen können. Kuschelige Läden machen ja auch irgendwie erst den Reiz aus. Das ist nicht nur für uns als Veranstalter schwierig, sondern eben auch für die kleinen Künstler und das gesamte gesellschaftliche Leben. Das macht ja auch etwas mit einem, wenn so ein Zweig einfach wegbricht.

SZENE: Wie kann man euch aktuell am besten unterstützen, damit es bald wie gewohnt weitergehen kann?

MAWI-Concert: Es gibt zwei Wege. Wenn man z.B. bereits ein Ticket hat, dann sollte man es am besten behalten, sofern es einen Ersatztermin gibt. Wir alle gehen davon aus, dass wir Anfang 2021 oder im Sommer 2021 wieder reguläre Open Airs spielen können. Deshalb ist es für uns wirklich ganz wichtig, dass die Leute schon langsam wieder Tickets dafür kaufen. Das ist es, was die Branche jetzt braucht.

 

SZENE: Vielen Dank für das Interview!

 

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