Interview: Kontra K

(c) Niculai Constantinescu

Die neue Tour steht kurz bevor! Die Liveshows von Kontra K sind eine Klasse für sich und bereits zum Teil ausverkauft! Kein Wunder, er gibt für seine Fans alles, denn Loyalität ist bei ihm ganz groß geschrieben. Wir haben neulich mit dem sympathischen und ehrlichen Berliner Rapper Max über die kommende Tour gesprochen! Er hat hohe Ziele und möchte noch eine Schippe drauf legen!

 

SZENE: Ihr arbeitet momentan auf Nizza am neuen Album?



Max: Richtig! Wir sind kurz vor der Tour und ich möchte diesmal nicht so viel Druck haben. Bald geht die Tour los und deshalb wollte ich das lieber jetzt machen und nicht später im Stress, da mein Baby auch auf Tour kommt. 



SZENE: Das heißt, es kommt ein zweites Kind?



Max: Ohja, ich kriege noch einen Sohn!



SZENE:Meinen Glückwunsch! Das neue Album ist noch nicht fertig, oder?

Max: Also wir haben viele Sounds, aber fertig ist es nicht. Wo ist das Ende, wo ist der Anfang? Eine Uhr hört auch nicht auf zu schlagen. Ich möchte, dass es ein rundes Album wird. Also ich will da die Qual der Wahl haben und viele starke Sounds haben



SZENE:Viele Produzenten setzen sich ja mit dem Künstler hin und entwickeln erst ein Konzept, oder finden einen Sound-Teppich. Ist das bei dir auch so?

Max: Das ist schwer zu sagen. Ich mache das nicht nach einer Formel. Wir setzen uns da nicht zusammen und sagen "Ey, das Album soll jetzt so und so klingen..", sondern wir machen das schon eher nach Gefühl und ich schreibe das, worauf ich Bock habe. Und so wie ich mich weiterentwickle, so entwickeln sich auch die Jungs. Genau so wächst man dann zusammen und musiziert einfach. 


SZENE: Was machst du eigentlich mit den "unbrauchbaren" Songs?



Max: Ich mache es wie bei Frankenstein. Ich lege die Songs auf die Liege und picke mir raus, was mir davon gefällt und baue mir damit kleine Helferlein.

SZENE:Aber bist du der einzige Songschreiber bei Kontra K?

Max: Ja schon, manchmal sind wir aber auch mehrere; z.B. wenn wir wegen der Melodien zusammensitzen. Manchmal ist Joshi Mizu dabei, manchmal RAF. Wenn's cool ist, wird's genommen, wenn nicht, dann nicht. Aber Inhalt und die Richtung das mache ich; bei 95% der Songs ist das so.


SZENE:Habt ihr einen festen Tour-Support, den du mitnimmst?

Max: Ja, wir haben RICO und Baci dabei. Das sind so meine beiden Tour-Supports. Support your local!

SZENE:Zu "support your local": du bekommst ja bestimmt jedes Mal eine Anfrage, ganz egal, in welche Stadt du einreitest, ob vor dir jemand spielen könnte?

Max: Ja, ich bin auch natürlich dafür, neue Künstler zu supporten! Aber ich denke, dass um mich herum eine eigene Welt ist und darum will ich die Leute um mich herum supporten, die den Support erstmal brauchen, die noch lange nicht da sind, dass es reicht, um davon zu leben. Warum nicht die erstmal aufbauen? Und das ist so mein Credo. Aber ich hab' prinzipiell nichts dagegen! Wenn die Leute cool sind und ich mich mit denen identifizieren kann, dann habe ich da auch nichts dagegen!


SZENE: Das ist verständlich, man hat da ja auch ein eigenes Konzept. Wenn man davon redet, dass man einen kleinen Kreis hat, ist es dann immer noch so, dass man die Strippen enger zieht und der Kreis enger wird?

Max: So ist das Leben. Du wirst älter, irgendwann wird dein bester Freund Kinder kriegen und ihr könnt euch nicht mehr so häufig sehen. Das ist ein ewiger Zyklus, einer kommt, einer geht. Am Ende zählt, dass man eine Hand voll guter Freunde hat, auf die man sich verlassen kann.

SZENE:Hast du Leute in deinem Kreis, bei denen du dir manchmal denkst "okay jetzt müssen wir aber mal aussortieren"? Gibt es eine Regel bei Kontra K, an die man sich zu halten hat, damit man in dem Team bleiben kann?



Max: Doch. Da sind einfach Werte. Alle sollten schon in eine Richtung gehen wollen. Momentan bin ich derjenige, der angibt, wohin es geht, aber das bestimme ich trotzdem nicht allein. Das wichtigste ist der Zusammenhalt im eigenen Kreis.

SZENE:Wenn man Künstler ist, führt man ja ständig Interviews und bekommt auch sicherlich gleiche Fragen gestellt. Gibt es ein Interview, was dir im Gedächtnis geblieben ist und von dem du sagen kannst, dass es ein Fan von Kontra K unbedingt lesen sollte?

Max: Ich hatte viele coole Interviews! Klar, kann manchmal die Laune etwas schlechter sein, aber prinzipiell versuche ich jedes Interview so angenehm wahrheitsgemäß wie möglich zu machen, sonst wäre ich ja selbst schuld. Ein besonders gutes Gespräch hatte ich mit Niko Backspin!


SZENE:In einem Interview hast du erwähnt, dass du Mike Tyson demnächst triffst, oder treffen wirst?

Max: Ja, das wollte ich auch schon, aber das hatte ich leider noch nicht geschafft wegen der ganzen Hektik um die Tour und der Geburt meines Kindes. Tatsächlich bin ich aber mit seinem Management im Kontakt, sie machen ein neues Format und da werde ich ihn auf jeden Fall treffen!

SZENE:Ist deine Musik autobiografisch genug, sodass man eigentlich keine Interviews braucht? Sind diese nur für Promo?

Max: Safe! Man würde mich besser kennen lernen, wenn man sich die Zeit nimmt, alle seine Alben durchzuhören, statt mit mir ein Gespräch zu führen. Beim Texten schreibe ich raus, was raus muss, was ich gerade fühle und denke nicht zu sehr nach. Zu 95% mache ich das sozusagen zur Selbsttherapie.

SZENE:Das ist für einen Künstler sehr wertvoll! Wenn man als Fan z.B. mit diesem zusammen wächst und nach Jahren noch seine Musik hört. Ich habe auch noch einige Künstler, bei denen ich immer noch das Gefühl habe, ich hätte mein halbes Leben schon neben denen gesessen.

Max: Genau so muss es auch sein! Ich bin auch so glücklich darüber, dass mein Fannetz so stabil ist und ich die Leute, die ich vor 5 Jahren auf meinen kleinen Konzerten gesehen habe, zum Teil immer noch wieder sehe! Das ist mir auch viel mehr wert, als wenn ich jetzt sofort Gold gehe mit jeder scheiß Single. Mich macht nichts mehr aus, als genau diese Leute, die wieder kommen!

SZENE: Irgendwann muss auch dein Körper die Ressourcen aufgebraucht haben bei den vielen Projekten, die du noch hast.

Max: Ich kann dir gar nicht sagen, was ich alles schon hatte. Eine Tour musste ich absagen: Gürtelrose im Auge, ich bin fast erblindet. Ich hatte einen Herzinfarkt und trotzdem weiter gemacht, dann haben die Bandscheiben Probleme gemacht... es geht immer darum weiterzumachen. Ich war noch nie so fit wie jetzt, geistig wie körperlich. Wenn ich mit 45 Jahren aber aufhören müsste, weil körperlich nichts mehr geht, dann mache ich das auch.

SZENE:Das ist auf jeden Fall sehr motivierend und eine gesunde Lebenseinstellung. Dein enger Freund RAF denkt ja über eine Pause nach, ist das für dich gar nicht relevant?

Max: Ja doch, aber ich werde nie aufhören. Als Künstler baue ich mir mein eigenes Management auf, meine eigenen Büros. Ich hatte auch einen eigenen Vertrieb gegründet. Ich mache gern alles selbst. Und so lange Menschen kommen, um mich zu sehen, werde ich immer weiter machen und auf diese Bühne gehen! Es ist einfach mein Leben und es gibt keine Droge auf dieser Welt, die dir genau DAS gibt, was da auf der Bühne in die freigesetzt wird. Und so lange gehe ich auf die Bühne, auch noch mit 50! Mein Traum wäre es, irgendwann mal im Olympiastadion zu spielen. Da würde ich schon das ein oder andere Tränchen vergießen.

SZENE:Jetzt ist erst mal die neue Tour am Start! Du hast ja auch schon 6 von 19 Hallen komplett ausverkauft. Ich glaube, in Rostock gibt es noch ein paar Tickets.

Max: Ja richtig, ein paar sind glaube ich noch da! Ich hatte ewig schon nicht mehr in Rostock gespielt und bin sehr gespannt, wie auch die Halle so ist. Ich freue mich auf jeden Fall auf Rostock!

SZENE:Willst du uns noch etwas über die Tour verraten? Passiert noch etwas? Feuer, Explosionen...?

Max: Es wird eine wahnsinnig große Show! Ich möchte immer noch mehr rausholen, da bin ich Perfektionist. Ich möchte, dass die Leute wiederkommen und sagen: "Ey, das war das krasseste, was ich bisher gesehen habe!" Es wird auf jeden Fall eine krasse Bühnenshow!

SZENE:Krass! Wir können uns also freuen! Gibt es ein klassisches Warm-up-Programm vor der Show?


Max: Ja! Vor so einer großen Show bin ich irre aufgeregt, da rede ich erst mal gar nicht mehr und laufe nur verwirrt durch die Location. Aber das klassische Aufwärmen geht so, dass wir uns alle zusammen wegsperren und da machen wir wahnsinnig laut Musik an, jeder darf seinen Lieblingssong spielen. Dann rennen wir gemeinsam raus auf die Bühne und mit diesem Gemeinschaftsgefühl und holen wir dich einfach mit rein. So fängt unsere Tour an.

SZENE:Vielen Dank für das Interview.

 

Interview: Konrad M.