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Interview: Farid

© Foto Robert Maschke

FARID. Wahre Magie. Echte Illusionen

 

Wir haben mit einem der faszinierendsten Illusionisten Deutschlands gesprochen und SEINE Magie kennengelernt! Er benötigt für seine Illusionskunst keinen doppelten Boden, keine halbseidenen Special-Effects, aufwändige Kulissen oder billige Taschenspieler-Requisiten, sondern lässt lieber die Macht der Imagination für sich sprechen. Farid entstaubt diese ganz besondere Art der Unterhaltung behutsam, wirft sämtliche Klischees über Bord und führt sie mit seiner sympathischen, geerdeten Art auf ein ganz neues Level. Auf direkter Augenhöhe mit seinem Publikum verzaubert er die Zuschauer mühelos mit seinem Talent und der Kraft seiner Gedanken. Moderne Magie auf Weltniveau – verblüffend, geheimnisvoll, einzigartig!

 

SZENE: Spätestens nach Harry Potter wollte jeder Zauberer werden. Was hat dich damals dazu bewegt, Illusionist zu werden?

Farid: Bei mir war das so, dass mir mein Großvater gezeigt hat, wie eine Münze verschwindet. Da war ich 6 Jahre alt und ich war sehr fasziniert! Mit 8 habe ich dann Magier im Fernsehen gesehen, auf Videokassette aufgenommen und versucht, meinem Großvater nachzueifern. Aus Kartons habe ich einiges nachgebaut, meine Schwester dort rein gelegt und so weiter. Mit 14 hatte ich dann meinen ersten bezahlten Auftritt und so ging es bis heute weiter.

SZENE: Erinnerst du dich noch an deinen ersten großen Auftritt?

Farid: Mein aller erster richtiger Auftritt war in der Wiener Staatsoper. Da durfte ich in der Halbzeit zaubern! Das war für mich etwas sehr, sehr Besonderes. Und heutzutage sind es die ungewöhnlichen Auftritte. Ich durfte vor zwei Jahren in der Münchner Allianzarena vor 75.000 Zuschauern während eines Bayern-München-Spiels zaubern. Das war dort die erste Halbzeitshow, die es im Deutschen Fußball gegeben hatte. Da hatte ich elf Minuten auf dem Rasen gezaubert und das war eine unglaubliche Erfahrung, da es auch keinen Vergleich gab. Ich wusste nicht, ob die Leute das sehen, oder sich lieber ein Bier holen wollten. Aber tatsächlich sind sehr viele geblieben und es kam wirklich gut an! Es gab also immer wieder ungewöhnliche Momente, die es besonders gemacht hatten.

SZENE: Das lässt den Beruf bestimmt nie langweilig werden! Was erwartet uns in deiner neuen Show "Wahre Magie. Echte Illusionen"? Worauf dürfen sich die Rostocker besonders freuen?

Farid: Bei "Wahre Magie. Echte Illusionen" nehme ich die Zuschauer auf eine magische Reise durch die Zeit mit! Es schweben Objekte, es sind sehr persönliche Effekte mit dabei, große Effekte und ebenso auch Street-Magic! Das wichtigste ist, dass jeder Zuschauer Teil der Show ist und die Show auch mitbestimmt! Die Zuschauer wissen auch, dass jede Show aufgrund der Entscheidungen, die die Zuschauer treffen, eigen ist.

SZENE: Du bist ja nicht der klassische Magier mit Umhang und Hut, sondern bezeichnest dich selbst als modernen Magier. Was bedeutet für dich der Begriff "Magie"?

Farid: Der Begriff moderne Magie bedeutet für mich, dass ich meine Illusionen so gestalte, dass sie so wirken, wie sie auch wirken würden, wenn ich wirklich zaubern könnte! Also wie sieht ein Effekt aus, wenn ich wirklich zaubern könnte, mit der Einstellung gehe ich da ran.

SZENE: Hat eine Illusion auch schon mal nicht geklappt?

Farid: Ja, aber das bekommt keiner mit, weil ich immer darauf vorbereitet bin! Ich habe also immer einen Plan B, C und D. Gerade bei bestimmten Kandidaten wie z.B. einen Herrn Raab, bei dem ich zu Gast sein durfte, musste man immer auf alles vorbereitet sein. Er hat sich auch mal 4 Minuten später umentschieden und wollte doch eine andere Spielkarte haben! Da hatte ich dann gelernt, auf alles vorbereitet zu sein.

SZENE: Man muss also wirklich auf alles gefasst sein! Es ist auch nicht immer ganz ungefährlich, oder? Welche Illusion war bisher die gefährlichste?

 Farid: Meine gefährlichste Illusion habe ich vor wenigen Monaten auf Prosieben präsentieren dürfen. Da hatte ich Pietro Lombardi zu Gast, der bei einem Experiment mitgemacht hat, wo es um seine Intuition ging. Und zwar hat er mich mit einem Schloss an eine Wand befestigt und vor mir war ein schwerer Geländewagen an Seilen befestigt, alles wie ein Pendel Richtung Wand. Wir hatten ein Seil in Brand gesetzt, welches den Wagen gehalten hatte. Keiner konnte so genau wissen, wann das Seil durchgebrannt sein würde. In dem Moment wo es durchbrennt, schwingt dieses Auto praktisch auf mich zu und die Aufgabe von Pietro war es, den Schlüssel für das Schloss zu finden, den ich unter 200 anderen Schlüsseln gemischt hatte. Er sollte dann intuitiv entscheiden, welcher Schlüssel sicher ist! Es ist wirklich sehr sehr, sehr knapp ausgegangen, das kann man sich auch gern auf Youtube ansehen. Da kommen wir auch an den Punkt, wo man sagen muss, dass immer ein Risiko mit dabei ist und man es nicht nachmachen sollte. Es bleibt auch kaum aus, etwas Gefährliches zu präsentieren, wenn man dem Zuschauer möglichst viele Effektfarben zeigen möchte.

SZENE: Du hast jetzt schon so wahnsinnig viel erreicht: mehrere Castingshows, deine eigene Fernsehsendung "Streetmagic mit Farid", dann folgte ein Buch "Du durchschaust mich nicht" und warst oft Moderator. Gibt es noch etwas, das du unbedingt erreichen möchtest? Ein persönlicher Traum oder weitere Ziele?

Farid: Ich möchte es auf jeden Fall weiter genießen, auf Tour sein zu dürfen, weil es einfach so viele unvergessliche Momente mit den Zuschauern gibt. Ich möchte weiterhin das Privileg haben, das zu tun, wofür mein Herz auch schlägt und so viele Menschen zu verzaubern, die dann noch mal zum Kind werden und ihre Alltagsprobleme vergessen. Das ist das größte Gefühl!

SZENE: Was ist für dich ein magischer Moment und wie findet man die Magie im Alltag?

Farid: Indem man MICH trifft und fragt, ob ich was zeigen könnte? (lacht) Magie im Alltag – finde ich überall. Also ich finde Magie zum Beispiel wenn ich in der Werkstatt sitze, in Gedanken versinke und dabei eine Spinne entdecke, die gerade ihr Spinnennetz baut. Das ist für mich magisch. Aber die magischsten Momente sind diese, die ich mit den Zuschauern teile. Einfach deshalb, weil jeder Mensch anders reagiert und auf der anderen Seite bricht Magie jede Sprachbarriere und erreicht jeden, egal in welchem Alter oder welche Kultur. Magie erreicht jeden.

SZENE: Glaubst du eigentlich an das Übernatürliche?

Farid: Ich glaube definitiv, dass es das Übernatürliche gibt, oder gewisse Dinge, die wir uns einfach nicht erklären können! Manchmal denkt man an eine Person und genau in diesem Moment klingelt das Telefon; oder aber man hat eine Person wahnsinnig lang nicht mehr gesehen und begegnet ihr aber am nächsten Tag. Solche Momente haben Magie in sich. Es gibt auch nicht nur diese kleinen Momente, die man sich nicht erklären kann, sondern manchmal auch ganz große!

SZENE: Bei all dem Spaß steckt natürlich wahnsinnig viel Arbeit dahinter. Wie viel Zeit nimmt die Gestaltung einer neuen Illusion eigentlich in Anspruch?

Farid: Das kann manchmal ein paar Wochen dauern, manchmal aber auch neun Jahre! Das ist ein langer Entstehungsprozess, von der Idee bis hin zum Feinschliff. Bis es also auf der Bühne ist und für den Zuschauer auch funktioniert, dauert es also wirklich recht lang.

SZENE: Woraus ziehst du denn eigentlich die meisten Ideen deiner Illusionen?

Farid: Ich erwische mich oft dabei, wie ich die meisten Ideen tatsächlich aus Filmen ziehe! Ich kann euch ein konkretes Beispiel liefern von der aktuellen Show, was ich euch auch verraten kann, weil wir was geändert haben. Wir haben nämlich elf neue Effekte in der Show, für die Zuschauer, die sie noch Mal sehen und sich erneut überraschen lassen wollen. Bisher sind wir bei der Show, bei der es auch um Zeitreisen ging, da bin ich in einem DeLorean erschienen, also dem Fahrzeug aus Zurück in die Zukunft. Die Show ging los, das Licht ging aus und die Musik aus Zurück in die Zukunft erklang. Plötzlich sah man, genau wie im Film, den Wagen und die Feuerspur auf der Bühne. Dann hatte ich die Tür nach oben aufgemacht und gefragt, welches Datum wir hätten und ob ich in der richtigen Show wäre. Diese Idee hatte ich dann natürlich aus dem Film und so gibt es sehr viele magische Dinge, die wir auf der Leinwand sehe, die ich dann adaptiere und auf die Bühne bringe.

SZENE: Als Zuschauer freut man sich auch immer, wenn man eine Szene aus einem geliebten Film wiedererkennt! Ist es eigentlich gut, einen Platz in der ersten Reihe zu haben bei deinen Shows, oder muss man sich da fürchten?

Farid: JEDER Zuschauer ist Teil der Show. Also es wird ganz häufig etwas ins Publikum geworfen und jeder kann mitmachen oder mich auf die Bühne begleiten. Aber verstecken braucht sich da wirklich niemand. Das Publikum hat mit der Zeit auch gemerkt, dass ich die Zuschauer sehr schätze und niemals Witze auf deren Kosten mache. So freuen sich die Zuschauer auch richtig drauf! Das unterscheidet mich auch etwas von anderen Kollegen, da ich wirklich noch nie den Moment hatte, dass jemand nicht auf die Bühne wollte. Die Zuschauer scheinen mir also irgendwie zu vertrauen, sie wissen, dass sie bei mir immer sicher sind!

SZENE: Das ist wirklich sehr beruhigend! Was war denn bisher dein größtes Highlight?

Farid: Es gibt natürlich einige Effekte in die ich mich verliebt habe, ebenso auch besondere Momente mit prominenten Persönlichkeiten wie zum Beispiel mit Helene Fischer. Aber ich bin auch vor einigen Wochen vom marokkanischen Königshaus eingeladen worden und durfte den König kennenlernen und für ihn zaubern. Das war definitiv etwas sehr Besonderes für mich. Aber generell sollte man das nicht am Status festmachen, denn in absolut jeder Show gibt es immer mindestens einen besonderen Moment! Und wenn es beim Meet & Greet ist, wo mich jemand in den Arm nehmen möchte, weil er vom Ende so gerührt war. Also auch das nehme ich alles mit!

SZENE: Du verzauberst ja auf deiner Tour ganz Deutschland! Gibt es manchmal auch Illusionen von anderen Magiern, die auch DICH verzaubern?

Farid: Da wird es leider schwierig. Wir arbeiten da mit faulen Tricks. Also wenn ich internationale Kollegen zum Essen um 7 Uhr treffe, dann ist der andere schon um halb 7 da und bereitet für den anderen etwas ganz mieses vor. Manchmal ist da jemand auch schon um 13 Uhr da, weil jeder versucht vor dem anderen da zu sein und etwas vorzubereiten. Also da habe ich leider die Magie ein wenig verloren, dafür habe ich sie aber in den Reaktionen der Zuschauer in den Shows!

 

SZENE: Vielen Dank für das Interview!

 

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