Interview: Claus Ruhe Madsen

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Am 26. Mai 2019 findet die OB-Wahl statt, da könnt ihr aktiv werden und Rostock selbst mitgestalten! Wir haben für euch einen der aussichtsreichen Kandidaten gecheckt und einen ganz persönlichen Eindruck von ihm gewonnen.

Der sympathische und authentische Däne Claus Ruhe Madsen hat in Rostock seine Herzensheimat gefunden. Seit über 20 Jahren hat er sich in der schönen Hafencity nicht nur sein Zuhause mit seiner Familie aufgebaut, sondern auch eine neue Existenz mit einer Möbelfirma. Nun möchte der umweltbewusste Familienmensch einen Hauch Innovation mit einbringen und vor allem auch die Studenten unterstützen. Kultur und Sportvereine möchte er fördern und vor allem aber den Stadthafen zu einem Hotspot für Studenten gestalten.

SZENE: Du bist schon seit über 20 Jahren in Rostock. Was macht Rostock für dich zur Herzensheimat? Und wie würdest du Rostock definieren?

Madsen: Ich bin Rostock unglaublich dankbar; die Stadt hat mir meine Existenz ermöglicht. Hier habe ich meine Familie gegründet und mein Möbelhaus aufgebaut.

Das wäre ja nicht gegangen, wenn die Menschen die Möbel nicht auch gekauft hätten. Und dadurch ist aus einer ganz kleinen, neuen Firma, ein großes Unternehmen mit 100 Mitarbeitern herangewachsen.

Darauf bin ich unheimlich stolz; die Wurzeln sind dadurch in Rostock. Meine Tochter ist hier aufgewachsen; ich kann mir nicht vorstellen, Rostock je wieder zu verlassen.

Zudem prägen 14.000 Studenten diese Stadt, sie machen sie jung und lebendig. Sie machen es sozusagen aber auch zur Pflicht, dass die Stadt innovativ ist und das finde ich gut.

Wer sich hier nicht wohl fühlt, ist sozusagen selber Schuld. Wir haben hier Strand, grüne Wiesen, man kann gut einkaufen, wir haben Kultur – wobei wir zu wenig Museen haben, da muss noch etwas passieren.

Auch unser Stadthafen kann noch besser werden. Der Hafen ist normalerweise das Herz der Stadt, sie wächst drum herum, das ist hier bei uns noch nicht so der Fall.

SZENE: Das ist also noch Luft nach oben. Neben dem Stadthafen und den Museen, was wären denn weitere Ziele für unsere schöne Hafencity?

Madsen: Das ist ganz einfach: ich habe gemerkt, dass wir am Stadthafen noch keinen Spielplatz haben. Und die Studenten haben den Stadthafen ein wenig für sich entdeckt; aber wir geben da nicht die perfekten Rahmenbedingungen. Sie sollen ihren Grillplatz, Sitzgelegenheiten und entsprechend viele Mülleimer bekommen. Spielgelegenheiten für Kinder und auch Platz für Senioren sollte es geben. So könnte man alle Generationen zusammen bringen. Zusätzlich möchte ich, dass man hier auch ins Wasser gelangen kann, also einen Schwimmbereich bekommt. Ich möchte, dass da keine Mauer ist, die Wasser und Mensch trennt. Im Sommer wünsche ich mir ein Open-Air-Kino, wo man sich kostenlos Filme und Kulturbeiträge anschauen kann. WLAN wäre auch toll, sodass man merkt, dass Rostock auch modern ist. Dass die Stadt den Bürgern etwas bietet und auch den Touristen. Der Stadthafen soll belebter sein und Menschen verbinden. Wichtig ist eine vernünftige, nachhaltige Stadtentwicklung.

SZENE: Du hast viele Ziele, die sich ganz stark auf das soziale Miteinander beziehen. Wie würdest du dich selbst mit eigenen Worten noch beschreiben?

Madsen: Das ist lustig, das bin ich ja noch gar nicht gefragt worden. Ich bin sehr ehrgeizig und ein sehr sozialer Mensch. Ich bin ja geboren und aufgewachsen in Dänemark und habe mich schon immer für andere Menschen und auch Projekte eingesetzt. Ich war schon immer Klassensprecher, habe Sportfeste veranstaltet, habe mich in Vereinen eingebracht, was ich auch heute noch tue. Das ist eine soziale Prägung, die man einfach hat. Es ist mir ungeheuer wichtig, mich für andere Menschen einzusetzen. Aber gleichzeitig bin ich auch ein echter Unternehmer: Mit 12 Jahren habe ich meine erste Firma gegründet, eine kleine Rasenmäher-Company mit meinem Kollegen. Deshalb mähe ich heute auch nicht so gerne, ich hab schon genug Rasen gemäht in meinem Leben.

(lacht herzlich auf)

SZENE: Das sind natürlich perfekte Voraussetzungen. Wie und wann kam eigentlich die Entscheidung, als Oberbürgermeister zu kandidieren?

Madsen: Also das kam ganz sicherlich nicht spontan. Ich bin jetzt ja schon viele Jahre in der Wirtschaft engagiert, auch als IHK Präsident. Man hat mich ganz oft gefragt, ob ich mir nicht etwas in der Politik vorstellen könnte. Anfangs empfand ich es als Lob und habe mich damals nicht ernsthaft damit befasst.

Dann bin ich mal durch die Altstadt gelaufen und dachte mir: eine 800 Jahre alte Stadt mit so viel Charme und Stolz, was für ein wahnsinniges Gefühl es wäre, da mitzulenken, was in den nächsten 800 Jahren geschehen könnte, also Teil der Geschichte zu werden. In meinem Kopf war dann der Gedanke, was kann ich – wo kann ich einen Unterschied machen, wie kann ich etwas anders oder besser machen und anpacken? Und dann ist man irgendwann so weit, dass man nicht mehr zurück kann. Man kann dann nicht mehr sagen: ne, das lass' ich jetzt liegen. Dann hätte ich Angst davor, später, wenn ich eines Tages alt bin, zu denken: „hättest du mal...“ - so einen Gedanken mag ich überhaupt nicht. So kam das also, spontan war das ganz sicherlich nicht; das hat Monate gedauert.

SZENE: Du bist ja gebürtiger Däne, wo siehst du Unterschiede zwischen Dänemark und Deutschland? Und welche Aspekte sind so positiv, dass du sie am liebsten hier übernehmen bzw. mit einbringen würdest?

Madsen: Die Frage ist eher, was der Unterschied ist zwischen Dänemark und MV, weil MV und Dänemark sich stark ähneln. Sie haben wahnsinnig viele Ähnlichkeiten: die Landschaft, das Volk, das am Wasser Leben – die Menschen sprechen eben nur eine andere Sprache. Von Dänemark würde ich manchmal gerne das pragmatische, entspannte „Machen“ mitnehmen. Deutschland ist ja sehr gut organisiert und das ist klasse, hier läuft alles nach Plan – aber so das freie, mehr kreative Machen wäre schön und das würde ich hier gern einbringen.

Ich komme ja von Kopenhagen, und da fahren Morgens Menschen im Berufsverkehr mehr Kilometer mit dem Fahrrad, als mit Autos und das ist eine beachtliche Quote.

Kopenhagen möchte die umweltfreundlichste Fahrradstadt werden, das ist auch der Plan der Bürger. Das muss man aber gemeinsam mit der Bürgerschaft entscheiden, das wäre etwas, was wir durchaus anstreben könnten. Und vor allem das miteinander Reden. Dass wir uns verständigen, gemeinsam etwas für eine Sache zu tun und weniger streiten. Man muss sich also zuerst verständigen und dann an die Umsetzung gehen.

Die Traditionen der Stadt schätze ich sehr. Aber wir müssen auch mehr Innovation mit einbringen, uns mehr nach vorn bewegen und nicht zu sehr an dem Motto festhalten: „das haben wir aber schon immer so getan“. Wir dürfen da nicht denken „warum was verändern, mir geht es ja gut“, sondern viel mehr „damit es mir weiter gut geht, müssen wir etwas verändern“. Wir dürfen da nicht im Gestern hängen bleiben.

SZENE: Rostock ist ja, wie wir wissen, eine Unistadt. Welche Veränderungen in Hinsicht auf die Studenten würdest du anstreben? Aktuell finden ja viele Schülerproteste zum Thema Klimaschutz und Umwelt statt. Wie ist deine Meinung dazu?

Madsen: Manchmal hat man den Eindruck, dass wir als Stadt die Universität und die Studenten viele Jahre geduldet, uns also nicht sehr um sie bemüht haben. Die Hansestadt ist 800 und die Uni 600 Jahre. Ohne diese 600 Jahre wäre die Hansestadt nicht da, wo sie jetzt ist. Das wäre der erste Punkt. Der Nächste wäre, dass 14.000 Studenten hier sind. Wir müssen es also hinbekommen, dass wir das als Probezeit betrachten. Dass wir jungen Menschen, die studieren, eine Unterkunft bieten. Dass sie gut von A nach B zu studentischen Hotspots  kommen, gute Radwege haben, Mietfahrräder und Roller bekommen, damit sie sich gut bewegen können. Sie sollen sich wohl fühlen, damit sie eines Tages – quasi, wenn sie mit ihrem Studium fertig sind – nie auf den Gedanken kämen, diese Stadt zu verlassen. Und sollten sie die Stadt verlassen, dann auf jeden Fall als Botschafter. Dazu brauchen wir starke Firmen mit innovativen Arbeitsplätzen, wo ich Werkstudent sein, mich da schon an die Firmen binden kann und hier schon eine gute Jobperspektive habe.

Zudem habe ich noch eine kleine Idee, die ich bald umsetzen möchte. Und zwar möchte ich im Büro des Oberbürgermeisters einen studentischen Referenten haben, weil ich ja innovativ arbeiten möchte. Wenn wir es ehrlich meinen, dass wir eine enge Bindung zwischen Rathaus und Universität schaffen wollen, ist es das Beste, wenn ich einen persönlichen Referenten - einen Studenten - bei mir habe, der mit mir diskutiert, wie wir einen Schub Innovation bekommen – Rostock bewegen können.

SZENE: Vielen Dank für das Interview!

Interview: Roxy