Interview: Cesar Millan

(c) Peter Jacob

Der US. amerikanische Hundetrainer Cesar Millan, bekannt aus „Der Hundeflüsterer“, eröffnete uns einen Blick auf seine Philosophie. Am 16.10. ist er mit seiner neuen Tour „Cesar Millan - it’s all about family“ in der StadtHalle! Er ist weltweit anerkannter Experte in Hundeerziehung, in Mexiko geboren und wanderte ohne Englischkenntnisse in die USA, um dort die „Packfix Point Janine Academy und auch das Dog Psychology Center zu gründen. Also Hundeliebhaber und Interessenten aufgepasst, es wird tierisch!

 

SZENE: Wann und wie hast du dein außergewöhnliches Talent entdeckt?

Cesar: Die Gabe mit Tieren umzugehen, das kann man lernen, ich würde das nicht als besonderes Talent bezeichnen, das hat eigentlich jeder. Als ich aus Mexiko in die USA ausgewandert bin, wusste ich zunächst nicht, womit ich meinen Lebensunterhalt bestreiten soll und so ergab es sich zufällig, dass ich in der Nachbarschaft auf einen schwer erziehbaren Hund aufpassen sollte, mit dem bis dahin keiner so richtig zurechtkam und ich hab das anscheinend so gut gemacht, dass mir die Besitzerin Geld dafür bezahlt hat und so hat es sich dann langsam entwickelt.

SZENE: Was war deine größte Herausforderung bisher?

Cesar: Schwer zu sagen. Es gibt immer eine Lösung.

SZENE: Warst du schon als Kind ein Hundemensch?

Cesar: Ja, natürlich. In Mexiko, da wo ich aufgewachsen bin, bin ich mit vielen verschiedenen Tieren aufgewachsen, zu Hunden hatte ich von klein auf eine besondere Verbindung. Hunde begleiten mich schon mein ganzes Leben, ich hatte auch nie nur einen Hund, auch meine Kinder sind mit mehreren Hunden aufgewachsen. Hunde sind meine große Liebe.

SZENE: Es geht bei deiner Arbeit mit dem Hund viel um Respekt, Liebe, Verstehen und Körpersprache. Wie genau schaffst du es, die Bindung zum Hund so intensiv aufzubauen?

Cesar: Es geht um das menschliche Bewusstsein, wie die menschliche Energie die Verbindung, die Kommunikation und die Beziehung beeinflussen wird. Man muss verstehen, dass in der Tierwelt deine Energie mit Hunden ihre eigene Art der Kommunikation hat, daher sollte das Ergebnis Vertrauen, Respekt und Liebe sein.

SZENE: Wie lautet deine Philosophie?

Cesar: Vertrauen ist die absolute Beziehungsgrundlage. Auch wenn Mensch und Hund verschiedenen Arten angehören, ist der Kern jeder Form von Beziehung – unabhängig von der Art – Vertrauen, Respekt und Liebe. Aber auch Regeln, Grenzen und Einschränkungen sind wichtig.

SZENE: Was erwartet uns auf deiner Tour „It’s all about family“ ?

Cesar: Zum ersten Mal habe ich meine beiden Söhne, Calvin und Andrè, auf Tour dabei, eine absolute Premiere als Familie auf Tour zu sein. Wir werden ein paar Live-Demonstrationen auf der Bühne machen. Wir werden erklären wie ein harmonisches Zusammenleben zwischen Mensch und Tier möglich ist und man das für sein zu Hause übertragen und umsetzen kann. Wir werden aber auch über Sozialisierungsaspekte sprechen und erklären warum Bewegungen und Abläufe wie stretchen, gehen, rennen, ausruhen und schlafen wichtig für Hund und Familie sind. Ein weiterer Aspekt wird das Verhalten in der Öffentlichkeit sein. Wir werden aber auch über Familie sprechen, ihre Aufgaben im Zusammenleben mit einem Tier und ich werde auch ein, zwei Geheimnisse der Millan-Familie verraten. Es wird also alles geben: Spaß, Unterhaltung und Aufklärung.

SZENE: Wieso hast du dich entschieden, deine Tour nach Deutschland zu bringen?

Cesar: Ich habe ja schon öfters in Deutschland gespielt und ich mag die Leute, das Land und auch das Essen. Das deutsche Publikum ist besonders, sehr interessiert und aufgeschlossen, es macht Spass hier zu sein.

SZENE: Wie ist dein erster Eindruck von Deutschland? Hast du bereits erste Überraschungen erlebt?

Cesar: Ich mag Deutschland sehr gerne, die Leute haben aber eine andere Herangehensweise an manche Dinge, zum Beispiel auch an Hundeerziehung. Ich finde das spannend zu beobachten. Amerikaner neigen ja dazu, weniger mit ihren Hunden spazieren zu gehen und eine Aufregung auf andere Art und Weise zu schaffen und generell keine Struktur zu haben. Deutsche sorgen für Aufregung während des Spaziergangs, da dieser oft keine Struktur hat. Wenn er zum Beispiel ohne Leine außerhalb seines Hauses ist, geht sein Geist in einer aufgeregten Art und Weise und ohne Struktur. Das ist einfach eine andere Art, das gleiche Ergebnis zu erzielen.

SZENE: Zum Thema Familie: inwiefern kann ein Neugeborenes oder ein Kind die Beziehung zwischen Hund und Besitzer beeinflussen?

Cesar: Wichtig ist, dass die Familie als Ganzes funktioniert. Es geht nicht darum, wer an erster Stelle in der Familie steht. Es geht um ein harmonisches und funktionierendes Zusammenleben, in welchem sich beide, Baby oder Kind und Hund sicher und geliebt fühlen. Der Hund sollte nicht zu kurz kommen und genügend Bewegung bekommen. So wird der Hund im Haus ausgeglichen und zufrieden sein.

SZENE: Wie stehst du zum Thema Tierschutz?

Cesar: Tierschutz nehme ich sehr ernst und liegt mir sehr am Herzen. Ich helfe und unterstütze, wo ich kann. So habe ich bei den großen Waldbränden in Kalifornien einige Tiere in meine Obhut auf meine Ranch aufgenommen.

SZENE: Was schätzt du ganz besonders an Hunden?

Cesar: Das Tolle an Hunden ist, dass sie dich nicht aufgrund von Geld, Einfluss oder Macht beurteilen. Vertrauen, Respekt und Liebe sind die Parameter anhand derer Hunde bewerten.

SZENE: Gibt es Dinge, die wir von den Tieren lernen könnten?

Cesar: Für mich sind Hunde die größten Lehrer in Spiritualität, Liebe und Instinkt. Das hat für mich einen großen Wert. Ich liebe es an Hunden, wie sehr sie sich für die einfachen Dinge des Lebens interessieren. Und wenn wir das verstehen, dann sind auch wir Menschen glücklich.

SZENE: Du vermittelst, dass es gar keinen bösen Hund gibt, sondern dass der Besitzer meist dafür verantwortlich ist. Geschieht dies, durch das fehlende Verständnis für das Tier?

Cesar: Ich helfe den Menschen zu verstehen, wie sie einen Hund auslasten, sich mit ihm verbinden und mit ihm kommunizieren können, so dass sie eine wunderbare Partnerschaft haben können. Verständnis ist die Grundlage einer guten Beziehung. Es gibt keine bösen Hunde, es gibt nur Menschen, die nicht die richtige Art und Weise kennen richtig mit dem Hund zu kommunizieren und ihm ein bestimmtes Verhalten beibringen.

SZENE: Gibt es für dich den ‚perfekten‘ Hund? Wie sollte dieser sein?

Cesar: Jeder Hund kann der “perfekte” Hund sein, wenn ich ihm ein “perfekter” Leader bin. Aber “perfekt” ist nichts und niemand. Das Wichtigste sind Liebe, Respekt und Vertrauen, so werden Hund und Mensch glücklich.

SZENE: Es scheint, als wäre dies für dich nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung, stimmt das?

Cesar: In der Tat sehe ich es nicht als Arbeit im eigentlichen Sinne, es ist meine Berufung meine Message in die Welt zu tragen. Ich lebe meinen Traum und freue mich, dass auch meine Söhne nun diesen wunderbaren Weg einschlagen und an meiner Seite sind. Glückliche Menschen führen zu einem glücklichen Planeten.

 

SZENE: Vielen Dank für das Interview!

 

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