Fahrraddemo. Lichtenhagen Gedenken

SA | 22.08. | 14 UHR | DOBERANER PLATZ

August 1992

Tagelang greifen in Lichtenhagen hunderte Neonazis die damalige „Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber“ und eine Unterkunft, in der Vietnames*innen leben, an. Sie skandieren rassistische Parolen, bewerfen die Häuser mit Flaschen und Steinen und liefern sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Dann stürmen sie das Haus und stecken es in Brand. Mehr als 100 Menschen können sich erst im letzten Moment retten. Während dies alles passiert, werden die Angriffe von tausenden applaudierenden Zuschauer*innen unterstützt. Die Polizei versagt in diesen Tagen genauso wie die Kommunalpolitik und die lokalen Medien. Einige Wochen später dient das rassistische Pogrom von Rostock als Vorwand, um das Grundrecht auf Asyl massiv einzuschränken. Auch deshalb konnten sich Neonazis bundesweit als Sieger fühlen. Ihre rassistischen Parolen wurden zur „Stimme des Volkes“. Ihre massive Gewalt wurde nicht nur bejubelt und blieb weitestgehend straffrei. Sie wurde auch politisch belohnt.


Februar 2004
In einem Imbiss in Toitenwinkel wird der 25-jährige Mehmet Turgut von Mitgliedern des neonazistischen Terrornetzwerks NSU erschossen. Von Neonazis, die in den frühen 90er Jahren durch Ereignisse wie die Angriffe in Lichtenhagen oder Hoyerswerda politisiert wurden.

Sommer 2015
Bundesweit beteiligen sich tausende Menschen an rassistischen Aufmärschen, die sich vor allem gegen den Zuzug von Bürgerkriegsflüchtlingen und anderen Schutzsuchenden richten. Notunterkünfte werden angegriffen und angezündet, Menschen durch Straßen gejagt. In mehreren Städten kommt es erneut zu tagelangen Ausschreitungen.

Sommer 2020
Halle, Kassel, Hanau – rechter und rassistischer Terror macht sich breit. Netzwerke aus der Neonaziszene fliegen auf, in Chatgruppen verabreden sich Polizisten und Soldaten zum Mord an politischen Gegner*innen. Nach dem Tod von George Floyd in Minneapolis wird auch in der Bundesrepublik breit über (strukturellen) Rassismus in Behörden diskutiert. Ernsthafte Konsequenzen hat die Debatte bisher nicht.

Rassistische Gewalt, Ausgrenzung und Diskriminierung sind traurige Kontinuitäten in Rostock, Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland. Das soll nicht akzeptiert werden! Zusammen könnt ihr dies möglich machen, gemeinsam auf den Straßen am 22. August. An dem Tag, an dem vor 28 Jahren das Pogrom von Lichtenhagen seinen Anfang nahm, könnt ihr mit einer Fahrraddemo aus der Innenstadt nach Lichtenhagen aufbrechen. Unterwegs wird es an den Gedenkstelen Redebeiträge und weitere Aktionen geben.

14.00 Uhr
EMPATHIE (Doberaner Platz)

14.45 Uhr
POLITIK (Rathaus | Neuer Markt)

15.15 Uhr
MEDIEN (OZ | Richard-Wagner-Str.)

15.30 Uhr
GESELLSCHAFT (Rosengarten | Hermannstr.)

16.15 Uhr
STAATSGEWALT (Polizei | Ulmenstraße)

17.30 Uhr
SELBSTJUSTIZ (Mecklenburger Allee 18)