Die Macher hinter Rosenstolz und Bibi & Tina: Peter Plate & Ulf Sommer im Interview

Der Name ROSENSTOLZ steht für ein faszinierendes Kapitel der deutschsprachigen Pop-Geschichte. Nachdem Sängerin AnNa R. und ihr Songwriter-Partner Peter Plate im Jahr 2012 nach gut 20 Jahren Karriere eine unbestimmt lange Pause ankündigten, soll die nun umfassende Retrospektive „Lass es Liebe sein“ die Herzen der Fans noch einmal höher schlagen lassen. In der Zwischenzeit war es aber keineswegs still um Peter Plate und Produzent Ulf Sommer. Mit der erfolgreichen „BIBI & TINA“-Reihe kann er bislang auf 1,5 Millionen verkaufte Soundtracks und zwei spektakuläre Musicaltourneen mit über 150.000 Zuschauern zurückblicken.

SZENE: Wie entstand die Idee, eine Best-Of-Rosenstolz-CD zusammenzustellen?

PETER PLATE: Als Anna und ich 2012 in die Pause gegangen sind, hatte ich erst einmal überhaupt gar keine Lust mehr, mir die ganzen Rosenstolz-Sachen anzuhören. Ich habe das alles zwar sehr geliebt, aber ich brauchte erst einmal ein bisschen Ruhe und Abstand. Und dann ging das vor drei Jahren los. Ich hab keinen Führerschein, aber mein Freund hat einen und wir haben uns ein Auto angeschafft. Dann dachte ich im Auto, ich hätte irgendwie mal wieder Lust Rosenstolz zu hören. Das Album „Kassengift“. Das ist aus welchem Jahr?

ULF SOMMER: Zweitausend.

SZENE: Das ist 18 Jahre her...

PETER: Ja, und dann haben wir uns das angehört und irgendwie war damit das Eis gebrochen. Ich dachte: Ach, eigentlich macht das schon Spaß. Dann kam mein Perfektionswahn durch und ich dachte, wir haben doch zum letzten Album noch ein paar Songs aufgenommen, die nie veröffentlicht wurden. Da gab es ein paar Songs, die klangen einfach nicht mehr so toll. Also ließ ich mir die Bänder zuschicken, aus Lagern in London und sonst wo. Einige Aufnahmen waren auch verschüttet und ich hab mich erst mal tierisch aufgeregt. Dann ging es ans Restaurieren und das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Irgendwann bin ich mit dem Projekt auch zu Anna gegangen und hab gesagt: Komm, wir machen mal eine Zusammenstellung. Nicht, wie die Plattenfirma sie wollte, sondern so wie wir wollen, wie wir es sehen. Wir haben ein Interview geführt, ein Gespräch eigentlich. Das Gespräch haben wir aufgenommen und es wird vielleicht ins Netz gestellt. Aber das machen wir so lange nicht, bis wir beschließen, dass es uns wieder zusammen gibt. Das kann in zwanzig Jahren sein, kann aber auch nie sein. Das wird unser Herz entscheiden. Und um das einmal gesagt zu haben - das wird auch kein Geld entscheiden!

SZENE: Es gibt also keine Reunion-Pläne, keine Konzerttermine?

PETER: Momentan einfach nicht, denn Anna und ich haben alles über die Liebe gesungen, was uns eingefallen ist.

ULF: Momentan würde mich reizen, noch ein paar Jahre älter zu werden und dann mal zu sehen, was man über die Liebe erzählt, wenn man viel älter ist. Über Kinder, oder nicht vorhandene Kinder, über Freunde. Aber momentan ist aus der Sicht noch nicht so viel angefallen, ich wüsste gar nicht, was ich für Rosenstolz schreiben sollte.

SZENE: Dass ihr alles über die Liebe gesungen habt, kann ja nicht ganz stimmen. Denn auf dem Album sind auch Songs, die noch nie veröffentlicht wurden...

PETER: Das sind ja alte Songs, die wir restauriert haben; die noch keiner kennt. Wir hatten sie ja nun schon gemacht.

SZENE: Das Album erscheint ja nicht nur auf CD. Eine DVD wurde auch gemacht und man kann das Album sogar auf Vinyl erwerben. Das hat schon ein bisschen was von Abschluss, oder?

PETER: Naja, Abschluss für jemanden, der sich in einer Pause befindet... Nö, akzeptiere ich noch nicht. Und die DVD zum Beispiel, das ist etwas, was ich bei Universal lernen musste - das heißt „Standalone“. Auf eine Ausgabe nur als DVD wäre ich gar nicht gekommen, weil ich gar keine DVDs mehr benutze. Aber anscheinend gibt es das noch und lustigerweise gibt es auch eine gewisse Nachfrage. Ich fand es schade, dass es nicht alle Rosenstolz-Videos in einer Zusammenstellung gab. Wir hatten ja zum letzten Album ein - es war kein Meisterwerk - ein ganz kleines Musical gemacht.

ULF: Irgendwo in Berlin wurde das aufgeführt und das haben wir auch an die DVD gehangen. Das sind auch schmerzvolle Erinnerungen, denn es ging uns allen ziemlich Scheiße zu der Zeit. Trotzdem hatten wir dieses Mini-Musical gemacht und das ist auch auf der DVD, was mich besonders freut.

SZENE: Für die Auswahl habt ihr wieder zusammengesessen und diskutiert. Gab es viel Streit?

PETER: Das finale Kompilieren machen am Ende immer Ulf und ich. Da ist Anna auch schon immer entspannt gewesen und da gab es wenig Streit. Relativ wenig. Du sitzt dann da und spielst dann alles durch. Eine Zusammenstellung, die nur langsam, eine, die nur schnell ist. Nur die alten Songs oder nur die neuen.

ULF: Ja, oder soll es irgendeinen roten Faden geben? Wogegen wir uns entschieden haben, denn es sollte nur nach dem Herzen gehen. Und es gibt einige, die sagen, es sei Kuddelmuddel, aber das war Rosenstolz schon immer. Auf jeden Fall megauncool und das fanden wir immer genau richtig, weil megacool finden wir uncool.

SZENE: Wie sehr beschäftigten euch die Erinnerungen. Die Bandpause entstand doch aus der Überarbeitung, oder nicht?

PETER: Naja, jetzt einmal ohne Scheiß: Ein Popstar, der sagt, er hat sich überarbeitet, das ist ja auch ein bisschen Quatsch. Wir haben uns vielleicht zu viel zugemutet, aber uns hat ja keiner gezwungen. Als wir 1991 anfingen, war es unser Ziel, erstmal überhaupt auf die Kabarettbühnen zu kommen. Wir spielten in kleinen Schwulenclubs. Auch in der Moritz-Bastei in Leipzig. Meist waren es wirklich kleine Bühnen. Wir hatten niemals den Plan gehabt, Popkünstler zu werden. Die letzten drei Tourneen waren dagegen ziemlich riesig. Dann kamen diese Mercedes-Benz-Arenen, wo es losging, dass es uns keinen Spaß mehr gemacht hat. Auf einmal konnte VW sich eine Loge mieten und man hatte keinen Einfluss mehr.

SZENE: Es kommt schon alles vorgekocht auf einen zu?

PETER: Nee, das noch nicht einmal. Wir waren schon immer recht links verortet. Wir haben es Schlagerpunk genannt. Auf einmal spielst du aber irgendwo und Mercedes kann sich eine ganze Arena mieten. Zur Kundenakquise. Die Top-Kunden bekommen dann Freikarten und dann ist man so ein Hofnarr. Da fing das dann langsam an, nicht mehr so lustig zu sein, wie am Anfang.

ULF: Und das hatte auch irgendwann eine Monotonie. Platte, Tour, Platte, Tour, 20 Jahre lang. Anna sagte das über Rosenstolz so schön: So lange hält kaum eine Ehe. Anna hatte, glaube ich, auch Bock mal was anderes zu machen und Peter hatte auch Lust, für andere Künstler zu schreiben und andere Musik zu machen. Man ist ja auf einmal der Rosenstolz-Onkel. Irgendwann hat man dann keinen Bock mehr drauf, auch wenn man es später vielleicht bereut.

PETER: Ja, denn jetzt, mit den paar Jahren Pause…

SZENE: Die Erinnerung harmonisiert auch viel...

ULF: Das finde ich auch so geil am Älterwerden, dass die Erinnerung genau das macht.

PETER: Die Sommer in den Achtzigern waren doch alle besser.

ULF: Das Gute bleibt. Deswegen habe ich jetzt meinen Frieden. Wir hatten gestern ein Treffen mit dem Fanclub und das war so toll. Gerade deshalb bin ich dankbar, dass ich das alles erleben durfte.

SZENE: Dann machte das Rosenstolz-Projekt Pause, trotz oder wegen seines Erfolges und ihr habt andere Sachen gestartet. Die wurden auch schon wieder erfolgreich, wie etwa diese Bibi-und-Tina-Reihe.

PETER: Ach so, ich dachte, du meinst Sarah Connor. Wir hatten ja zwei Mal Glück.

SZENE: Egal, was ihr anfasst, es verwandelt sich wieder in einen Erfolg. Wie geht es euch dabei?

ULF: Naja, das Schöne ist ja: Nach draußen kommen diese Sachen, aber zwischen jedem Erfolg machen wir auch mindestens zwei Flops, die dann gar keiner mitbekommt. Ich habe einen großen Hang zu Elektro, aber alles was ich mit Elektromusik mache, floppt. Anscheinend ist es ein Hobby von mir und nicht die Berufung.

PETER: Zum Beispiel das Solo-Album. Ich bereue es nicht, aber im Nachhinein hätte ich gleich jemand anderen die Lieder singen lassen sollen, aber dann hätte jeder gefragt, warum Anna nicht singt. Ich war in der Zwickmühle und das war etwas doof, zu wissen, dass man gerade einen Flop produziert.

ULF: Und dann kamen Bibi, Tina und Sarah.

PETER: Sarah und Bibi kamen dann gleichzeitig. Das Album „Muttersprache“ mit „Wie schön du bist“ haben wir produziert. Sarah war natürlich von Anfang an dabei und es ist ihr Erfolg und nicht unser, aber wir durften an den Songs mitschreiben.

ULF: Im Prinzip haben wir die Seiten gewechselt und eine zweite Karriere begonnen. Bei Bibi und Tina hat auch keiner vorher gesagt: Wow, das wird ein Erfolg. Denn als Detlef Buck den ersten Teil fertig hatte, sagten die Kritiker, dass das viel zu bunt und viel zu verrückt sei mit den vielen Musicaleinlagen. Da werden die Kinder rausrennen.

PETER: Wir sind gestartet mit 6.000 CDs damals. Gelernt habe ich in den letzten Jahren, dass der Kino-Markt ganz hart ist. Schlimmer als der Musikmarkt. Wenn ein Film nach zwei Tagen nicht genug Kinobesucher hat, dann ist er weg. Bei Bibi und Tina war es aber so, dass Woche für Woche mehr Kinder ins Kino gerannt sind. Das war wirklich ein Phänomen.

ULF: Das hat sich so aufgebaut und endete dann bei einer Million Zuschauer; beim ersten Teil. Was für einen Kinofilm, der nur einmal am Tag im Nachmittagsprogramm läuft, großartig ist.

PETER: Das ist ja auch so chaotisch entstanden. Detlev Buck ist eben ein Filmpunk. Der hat dann seinen Stiefel durchgezogen. Er hat uns auch vertraut und kaum in die Musikproduktion reingeredet. Die Freiheit beim Machen - das war ein bisschen einem Rosenstolz-Album ähnlich. Ich glaube, das ist wichtig. Der größte Erfolg entsteht nicht, wenn eine große Produktionsfirma oder ein Verleih im Hintergrund sagt, es müsse so oder so klingen. Wenn etwas frei und aus Spaß entsteht, dann entstehen die ungewöhnlichen Sachen.

SZENE: Ist das denn das Geheimnis des doch bemerkenswerten Erfolges? Dass man als Punkpopband am Anfang frei war, sich über Gigs in Schwulenclubs freute und nicht über Plattenverkäufe nachdachte?

PETER: Das war so schön beim Fanclubtreffen. Ich bin jetzt 51 und da kam mir ein Mann in meinem Alter mit Tränen in den Augen entgegen und sagte, ich wisse ja gar nicht, was unsere Musik ihm als jungen Mann Hoffnung gegeben hat, sich als schwul zu outen, in einem konservativen Dorf in Bayern. Da war ich natürlich gerührt. Ich bin damals nach Berlin gezogen und als wir den ersten Plattenvertrag unterschrieben, da fragte der Produzent, den wir damals noch hatten, ob ich mir sicher sei, mich öffentlich als schwul zu outen. Nicht, weil er was gegen Schwule hatte, sondern aus der Angst heraus, ich würde nur auf die Fresse kriegen. Die Radiosender sagten auch ganz offen, sie können das nicht spielen, weil es Schwulenmusik ist. Wo wir uns damals auch fragten: Was soll denn Schwulenmusik sein? Ist das dann besonders grässliche Musik? Und Rosenstolz ist ja nicht explizit schwule Musik. Wir haben mit Hella von Sinnen einen politischen Protestsong gemacht. Aber in den Rosenstolz-Songs ist Homosexualität ja nicht Thema.

ULF: Ich glaube aber, es gibt kein Erfolgsgeheimnis in dem Sinne.

SZENE: Insofern, als dass man es nicht zugelassen hat, dass einem reingeredet wird?

PETER: Könnte man annehmen und das hat ja auch nichts explizit mit uns zu tun, das ist Autonomie. Lösen wir uns einmal von Rosenstolz und sehen uns Die Toten Hosen oder die Ärzte oder Rammstein an. Die lassen sich von niemandem reinreden in ihre Musik. Das verstehe ich auch nicht, dass die Plattenfirmen das bis heute nicht verstanden haben: An ihre Künstler zu glauben und sie in Ruhe zu lassen.

ULF: Dazu muss man aber sagen, dass Rosenstolz es heute richtig schwer hätte, denn unsere erste Platte ist mega gefloppt.

PETER: … und die zweite…

ULF: … und die dritte und die vierte. Heute wäre man danach für den Musikmarkt tot.

PETER: Wenn du heute einen Major-Deal verlierst, dann kriegst du keinen neuen Vertrag. Dann ist es vorbei und dann geben die meisten auch auf. Die Ruhe ist weg. Als Grönemeyers ersten vier Platten floppten, hatte er eben die Zeit, um sich weiterzuentwickeln und bekam einen neuen Plattenvertrag. Heutzutage ist es aber so, dass Künstler manchmal nur für eine Single unter Vertrag genommen werden. Wenn die nicht läuft, dann vielleicht noch eine und dann war es das. Außerdem soll die Single am besten so klingen wie alles, was im Radio läuft und was es dann langweilig macht.

SZENE: Kann man es allgemein so formulieren, dass die Musikindustrie an der Single und schnellem Geld, aber nicht am Künstler interessiert ist?

PETER: Bevor ich meine Aussage dazu mache, möchte ich vorausschicken, dass DIE MUSIKINDUSTRIE auch aus Menschen besteht, die voller Liebe und Leidenschaft da rangehen. Aber nach dieser Vorbemerkung rate ich jedem jungen Künstler: Unterschreibe nicht bei der Industrie. Mach dein Zeug selbst. Kümmere dich selbst darum. Mach dein eigenes Label.

SZENE: Was unterscheidet das Songwriting für ein Kinderliederalbum von dem für eine neue Liebesliederplatte?

PETER: Für uns war es zuallererst ein Befreiungsschlag von Rosenstolz. Es gab ein Drehbuch und eigentlich waren demnach nur zwei, drei Songs für den ersten Film vorgesehen. Wir haben dann zehn Songs gemacht.

ULF: Manchmal gibt es so etwas wie Schicksal. Peters Soloplatte war gerade gefloppt und wir waren ein bisschen down. Dann kam der Anruf von Buck und wir dachten, wir machen da einen richtigen Musikfilm draus. Und Buck sagte dann nur, naja, na gut …

PETER: … macht mal, macht mal.

ULF: Letztlich ist es genau dieselbe Arbeit, denn ein Lied ist ein Lied. Das ist zwar subjektiv, aber wenn wir ein Lied gut finden, dann macht es keinen Unterschied, ob es ein Kinder-, oder Liebeslied ist. Es ist eh keine Kindermusik, finde ich.

PETER: Ich erinnerte mich auch daran, wie Kinderlieder waren, als ich klein war. Oft belehrend, so etwas wie: Zieh dir den rechten Schuh an und dann den linken. Ich fand die Texte schon damals doof.

ULF: Von dem Lied erzählst du die ganze Zeit, dabei gibt es das überhaupt nicht.

PETER: Aber ihr wisst genau, was ich damit meine. Als ich Kind war, gab es ja noch diese Musikboxen, wo du Geld reinwirfst und dann ein Song gespielt wird. Da bin ich dann hingegangen und habe zwanzig Pfennig reingeworfen und habe, klischeemäßig, ABBA gewählt. Diese Songs habe ich dann mitgesungen, obwohl ich gar kein Englisch konnte. Zu der Zeit, als Bucks Anruf kam, da erlebten wir unsere Neffen, die auch Popsongs nachsangen, aber keine Kinderlieder.

ULF: Die waren fünf oder sechs Jahre alt und sangen „Call me maybe“ mit. Da haben wir uns gedacht: Wir machen knallharte Popmusik für Kinder. Und für die Eltern sind die Songs interessant, denn wir haben ja überall geklaut. Also hören sie die Musik und freuen sich über die Zitate. Es war für uns ein Befreiungsschlag, weil wir so viel Spaß beim Produzieren hatten und uns keiner reingequatscht hat.

PETER: Und es gibt Charaktere, für die man schreiben kann. Man hat also nicht nur eine Muse, sondern zehn.

SZENE: Ihr habt aber Songs zu den Themen geschrieben, die das Drehbuch vorgab?

PETER: Naja, hauptsächlich gab es Treffen, wo besprochen wurde, wie welcher Song passen könnte und welcher nicht. Wir waren uns dann meist einig und schon war der Song im Film.

SZENE: Jetzt sind die Lieder neu vertont auf dem Star-Edition-Album. Zusätzlich gibt es dazu das Musical. Wie kam es dazu?

PETER: Wie immer, wenn was zu Ende geht, kam die Frage nach einem Best-Of-Album. Für uns war es aber noch nicht zu Ende und wir hatten Kiddinx Media gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, dass wir ein Musical schreiben und auf Tour schicken. Kiddinx passt sehr auf seine Marken auf, weshalb es schon ein Vertrauensbeweis war, dass sie zugestimmt haben. Dann dachten wir, ein Best-Of-Album zu machen mit einem Musical, das auf Tour geht, das ist langweilig.

ULF: Peter hatte dann die Idee, andere Künstler anzuschreiben und zu fragen, ob sie bei der Platte mitmachen. Ich war eher skeptisch und dachte, die werden uns einen Vogel zeigen.

SZENE: Und dann? Wer hat euch einen Vogel gezeigt?

ULF: Zwei haben abgesagt, aber es gab sonst nur Zusagen. Ich dachte, das wäre eher ein Witz, aber nach und nach haben sich alle gemeldet und gesagt: Natürlich mache ich mit. Meine Kinder wollen doch auch mal hören, dass ich wirklich coole Musik mache. Na klar, die haben ja auch Kinder. Teilweise sind es ja auch musikalische Freunde und Weggefährten, die mitgemacht haben. Anna R. zum Beispiel und Sarah Connor. Sarah hat das ja sowieso alles mitbekommen, weil wir ja vormittags Bibi und Tina gemacht und nachmittags mit Sarah Lieder geschrieben haben. Sie hat den ganzen Prozess intensiv mitbekommen. Da lag es auf der Hand, dass sie mitmacht.

SZENE: Und wie ist dann das Musical entstanden?

PETER: Als ich in London lebte, wurde One Direction, eine Boygroup, bekannt. Die kleinen Mädchen waren alle Fans und ich war auf einem Konzert. Da imponierte es mir, wie sie es in England schaffen, Konzerte für Kinder zu machen. Mit einer Security, die freundlich ist, mit einem Sound, der den Kindern nicht die Ohren zerschießt.

ULF: Der aber trotzdem laut genug ist und die Kinder ernst nimmt.

PETER: Da dachte ich, schade, dass es das so in Deutschland nicht gibt. Dann kamen die Filme und wir ärgerten uns schon, dass wir die Songs gemacht haben und keiner sie live spielen wird. Ich telefonierte mit meiner Schwester und erzählte von der Idee, ein Konzert zu machen. Sie ist Sozialarbeiterin und Mutter zweier Kinder. Und sie sagte: Kinder wollen dran bleiben. Nur die Songs reichen nicht. Es braucht wenigstens eine kleine Geschichte, es muss ja nichts Großartiges sein. Also sahen wir ein, dass wir auch noch eine Story schreiben müssen und dann hat uns das wieder unheimlich Spaß gemacht.

ULF: Es gab dann also Bibi & Tina ”“ Die große Show, was uns aber nicht ausreichte. Jetzt ist die zweite große Show auf den Bühnen. Und es ist eine neue Geschichte, kein Sequel. Das ginge ja auch nicht.

PETER: Denn Bibi und Tina sind für immer dreizehn.

ULF: Und es ist immer Sommer. Immer derselbe Sommer, das ist mega.

PETER: Wenn man uns fragt, dann sagen wir auch, es ist ein bisschen wie Mama Mia für Kinder. Dass es funktioniert, haben wir in den letzten zwei Jahren erlebt. Die Kinder flippen aus und singen jedes Lied mit. Das ist wirklich Wahnsinn und es freut uns unheimlich.

SZENE: Wer steht dann beim Musical auf der Bühne?

ULF: Wir haben Musical-Schauspieler gecastet. Das sind junge Leute, frisch aus der Musical-Schule. Die haben richtig Stress, fünfzig Auftritte und mehr.

PETER: Teilweise Doppelshows. Die sind wirklich toll. Und wenn man es so betrachtet, ist es doch ein Sequel. Denn es ist zu hundert Prozent der gleiche Cast wie bei der ersten Show.

SZENE: Danke für das Gespräch. 

Interview: Jens Lippert 

 

Am 05.02. gastiert das Bibi&Tina-Musical in der Stadthalle Rostock!