Cados Café & Crêperie

So wollten Dominique und Caterina Trommer, Inhaber der gemütlichen Crêperie oberhalb des Gerberbruchs sicher nicht ihr fünfjähriges Bestehen feiern: Sars-CoV-2, umgangssprachlich als Corona-Virus bekannt, zwingt viele Geschäfte, auch die Crêperie der beiden Unternehmer, zum Schließen. Nach Stand zum Redaktionsschluss darf der Einzelhandel unter bestimmten Voraussetzungen zwar wieder öffnen, die Gastronomie bleibt jedoch erst einmal außen vor. Wir haben uns mit Dominique getroffen, um zu erfahren, was sich durch die Pandemie und erlassenen Bestimmungen zum Schutz der Gesundheit für ein Kleinunternehmen wie Cados geändert hat und wie es ihnen bisher ergeht, geschäftlich und privat.

Zuerst habe Dominique aus dem Radio erfahren, dass sie um 18 Uhr schließen müssen. Das war noch vor der landesweiten Ladenschließung und der erste unangenehmer Einschnitt. Dann hieß es: komplette Ladenschließung ab dem 22. März. Der gelernte Koch, der fast täglich in seinem Geschäft hinter dem Herd und Tresen steht, war geschockt. Sein erster Gedanke war, „wie geht's jetzt weiter?" sagt Dominique. Die Gesundheit der Leute sei wichtig, er ist aber ehrlich und sagt, dass man in dem Moment an seine eigene Existenz denke. Wie viele Selbständige fühlt auch er sich ohnmächtig. Die ersten Tage nach der Hiobsbotschaft verbrachten Dominique und Ehefrau Caterina nur am Telefon, mit dem Steuerberater, mit Bekannten und Freunden – was könne man tun? wie lange geht es weiter?

Die Landesregierung kündigte "unkomplizierte" Soforthilfe an und räumte ab den 24. März die Möglichkeit ein, Anträge auf jene Hilfe zu stellen. Das sei jetzt fast einen Monat her, noch sei aber kein Geld geflossen, auch das Kurzarbeitergeld für seine Angestellten nicht. "Meine Angestellten sind leider nur theoretisch abgesichert. Da ich in Vorkasse gehen muss, bin ich auf die Regierung angewiesen, und das Kurzarbeitergeld kam noch nicht," bedauert er und erzählt weiter, "auf Zuschüsse angewiesen zu sein, jemanden auf der Tasche zu liegen... ich glaube, keiner möchte das. Es geht aber nicht anders." Die Soforthilfe deckt außerdem nur betriebliche Kosten, die privaten Kosten, wie Miete und Lebensmittel, nicht. Hier stellt die Landesregierung auf ihrer Homepage klar, dass dafür auf "andere Hilfen zurückzugreifen" sei, wie z.B. die Grundsicherung.

Rumsitzen und Däumchen drehen will Dominique trotzdem nicht. "Die Arbeit hilft, sich abzulenken," sagt er einen Tag nach dem ersten erfolgreichen Außer-Haus-Verkauf, der einiges an Planung und Umstellung erforderte. Die Logistik und die Speisekarte mussten der neuen Situation angepasst werden. "Wir müssen ja irgendwas machen, so lange wir in der Schwebe sind. Auf den Staat kann man sich nicht blind verlassen," sagt Dominique. "Wenn wir unsere treuen Stammgäste nicht hätten, keine Gutscheinverkäufe im Laden oder über Kopf-Über-Wasser, keine Spenden... es würde uns deutlich schlechter gehen. Ich hoffe, dass jeder Laden solche Gäste hat," bedankt er sich bei allen Gästen, die Cados jetzt, während dieser Krise, besuchen und auch davor besuchten. "Die Regierung denkt sich vielleicht: gibt halt ein Café weniger... wächst doch wieder nach," ärgert er sich. Wenn aber die Inhaber und Selbständigen ihre hart aufgebauten Existenzen und die Gäste ihre bekannten Cafés, Restaurants, Clubs, einfach ihre Lieblingsorte, verlieren, ist das nicht ein ökonomischer, sondern auch ein kultureller Schaden innerhalb einer Stadt- oder Dorfgemeinschaft. Der Plan der Regierung von Lockerungen der Maßnahmen gegen die Verbreitung von COVID-19 hilft immerhin dem Einzelhandel und beispielsweise Friseuren, die jetzt ein Datum für die Wiedereröffnung bekommen. Andere Unternehmen müssen jedoch weiter abwarten.

Dennoch ist Dominique Trommer ein optimistischer Mensch: "Wenn ich nicht optimistisch wäre, hätte ich mich nie selbstständig gemacht." Viel Unterstützung, vor allem mental, erhält er von seiner Frau, die ihm bei vielen Entscheidungen helfe. Die sonst auch körperlich tatkräftige Unterstützung musste allerdings zurückgefahren werden: Im Mai erwartet das Paar Nachwuchs! Immerhin hätten sie nun etwas mehr Zeit für sich selbst, um die Wohnung herzurichten und für den Nachwuchs vorzubereiten, und um andere aufgeschobene Projekte anzugehen. Selbst die PlayStation 4 konnte entstaubt werden, so dass Dominique dem Alltag und den Sorgen für einen Moment virtuell entfliehen kann, z.B. mit Red Dead Redemption 2. Unsere spielaffine Redaktion unterstützt das natürlich! Es ist zwar noch eine der weniger turbulenten Aktivitäten in dem sonst aufregendem Western-Spiel, aber "im Spiel einfach durch die Natur zu reiten, ist sehr entspannend," sagt er mit einem Schmunzeln. Wirklich voraus planen könne man zurzeit eh nicht, und so müsse man versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Da der Außer-Haus-Verkauf jedoch sehr gut bei den Kunden ankam, wird das Cados Café und Crêperie dieses Angebot vorerst an Dienstag, Mittwoch, und von Freitag bis Sonntag anbieten.

Die SZENE Rostock wünscht dem ganzen Team von Cados und allen Unternehmern in Rostock alles Gute und dass sie die Zeit gut überstehen werden!